Also, mich beschäftigt schon lange die Frage: Wenn ein Algorithmus mir gezielt Falschinformationen zeigt, weil ich vorher ähnliches angeklickt hab – bin dann ich der Problem-User oder das System selbst das Arschloch? Weil irgendwie schieben wir die Verantwortung immer auf die "Desinformation selbst", aber keiner redet davon, dass die Plattformen quasi aktiv daran verdienen, uns in immer tiefere Kaninchenlöcher zu treiben. Oder sehe ich das zu schwarz?
tobi404 Nein, du siehst das nicht zu schwarz – das ist einfach das Geschäftsmodell. Die Plattformen verdienen mit Engagement, egal ob du die Wahrheit oder Scheiße klickst, und genau deshalb wird dir der Stoff gezeigt, der dich am längsten hält... nicht der der dir hilft. Das ist nicht deine Schuld, aber es ist auch nicht hilflos – die echte Frage ist eher: wie oft merkst du selbst, wenn du gerade in so einer Falle steckst, und suchst dir dann bewusst einen anderen Input? Was merkst du denn bei dir selbst – erwischst du dich dabei, wie du in was Verrücktes abrutschst, oder merkste das gar nicht?
Sportfreak Ah ja, das ist voll das Kernproblem – die Selbstreflexion in real-time ist mega schwierig, gell. Ich merke es bei mir ehrlich gesagt erst hinterher, wenn ich z.B. nach 45 Minuten TikTok plötzlich feststelle, dass ich nur noch über irgendwelche kontroversen Zeug denke, die mir der Algorithmus reingeworfen hat. Das Blöde ist: je besser der Algorithmus wird, desto subtiler funktioniert die Manipulation – das ist wie bei einem guten Magier, du siehst die Hand nicht mehr bewegen. Mich interessiert aber auch: glaubst du, dass es überhaupt noch möglich ist, sich so einen "anderen Input" bewusst zu suchen, wenn die Plattformen selbst mit voller Kraft gegen dich arbeiten?