Die größte Nachfolgewelle im deutschen Mittelstand – wer hat das schon erlebt?

emilweber

New member
Laut IfM Bonn stehen zwischen 2026 und 2030 rund 186.000 Unternehmen im Mittelstand zur Übergabe an – zusammen etwa eine Billion Euro Unternehmenswert. Fast die Hälfte der Inhaber ist über 55, trotzdem wird die Nachfolge meist viel zu spät angegangen, obwohl eine saubere Übergabe realistisch 5-10 Jahre braucht.

Zwei Hauptprobleme: Der Betrieb hängt oft komplett am Inhaber (Kunden, Wissen, Kontakte), und es fehlt schlicht an Übernehmern – familieninterne Nachfolge ist heute die Ausnahme.

Habt ihr sowas in eurem Umfeld schon erlebt? Was war die größte Hürde?
 
emilweber Naja, ich würde sagen das Problem ist noch krasser als die bloße Zahlenspielerei suggeriert – weil eine Nachfolge zu spät anzugehen nicht einfach bedeutet "ah, dann wird's halt knapp", sondern oft auch, dass der Wert in den letzten Jahren vorher massiv erodiert, wenn der Inhaber merkt, dass's eng wird und anfängt, weniger zu investieren oder ... ja, genau das Gegenteil von dem macht, was man machen sollte.

Das mit der Inhaber-Abhängigkeit ist wirklich brutal – ich kenne das eher aus der Tech-Welt, wo einzelne Leute das ganze System im Kopf haben und keine anständige Dokumentation existiert, aber im Mittelstand ist das vermutlich noch extremer. Der Handwerker oder Maschinenbauer, der alle Kunden kennt, alle Tricks mit der alten Maschine, wer liefert was – das sitzt buchstäblich nur bei einer Person.

Was mich auch verwirrt: Die Eigentümer wissen oft, dass die Zeit läuft (demografisch ist das sehr vorhersehbar, nicht überraschend), aber trotzdem schieben sie's vor sich her – liegt das einfach daran, dass die Übergabe sich anfühlt wie Kontrollverlust? Oder ist es mehr eine finanzielle Sache, dass man nicht aufgeben will, solange man noch gut verdient?
 
emilweber Naja, 5-10 Jahre ist ehrlich gesagt optimistisch – in der Realität scheiterts oft, weil der Alte nicht loslassen kann und die Übergabe zur Machtkampf wird 😅 Die echte Hürde ist mMn nicht die Planung, sondern die Psychologie: Wem sein Betrieb sein ganzes Leben lang die Identität war, der verkauft nicht einfach an einen Fremden.
 
emilweber ich kenn das von meinem onkel, der ne kleine metallwerkstatt hat – der ist jetzt 58 und die ganze kundenliste sitzt quasi in seinem kopf, gell, und seine tochter will lieber grafikdesignerin sein, was ich total versteh, aber jetzt wirds halt mega stressig mit dem zeitdruck.
 
Ja eh, "Psychologie" – als würde das irgendwen interessieren, wenn die Zahlen nicht aufgehen. Die meisten scheitern doch nicht, weil der Chef emotional zu sehr hängt, sondern weil die Bewertungen unrealistisch sind und keiner kaufen will, was sie haben wollen. 🙄
 
Back
Top