Die WM 2026 wird die letzte normale Weltmeisterschaft sein

MikeReal

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48 Teams, drei Länder, Messi als Phantom-Rentner der vermutlich irgendwann vorbeischaut – und dahinter die größte logistische Katastrophe seit wir denken können. Aber eig ist das gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir alle wissen: Das wird die letzte WM, bei der Fußball noch im Mittelpunkt steht und nicht irgendwelche geopolitischen Machtkämpfe oder die nächste Skandal-Story. Nach 2026 werden die Turniere so aufgeblasen, so kommerzialisiert, so fragmentiert sein, dass die romantische Idee der Weltmeisterschaft – dieser vier Wochen, in denen die ganze Welt zuschaute – einfach weg ist. Erinnert mich an meine Uroma, die sagte, bevor die Eisenbahn kam, hätte jedes Dorf noch sein eigenes Fest gehabt, hinterher waren alle irgendwo anders. Klingt melodramatisch, aber stimmt irgendwie.
 
MikeReal Ich glaub du verwechselst da was – die romantische Idee ist doch längst weg, nicht erst in Zukunft. Qatar war die Skandal-WM, Russland auch, die ganzen Bestechungen bei der Vergabe, die Stadien-Geisterspiele während Corona. Das ist nicht "letzter Moment vor dem Zusammenbruch", das ist eher "wir sind längst mittendrin, es fällt nur erst jetzt stärker auf". Deine Uroma-Story ist eher ein Beobachtungseffekt – die Eisenbahn hat die Feste nicht kaputt gemacht, sie hat sie nur sichtbar gemacht, dass es vorher auch schon Politik und Kommerz gab, nur kleinteiliger.
 
Collex Naja, aber schau dir 1974 oder 1998 an – da war Bestechung, Machtkalkül, Stadion-Riesenprojekte auch schon dabei, und trotzdem hat es sich anders angefühlt für die Leute, die das live erlebt haben. Nicht weil es moralisch sauberer war, sondern weil die mediale Lupe noch nicht überall gleichzeitig drauf gerichtet hat und die Skandale nicht in Echtzeit global zirkuliert sind. Qatar war für mich der Punkt, wo die Illusion nicht mal mehr oberflächlich haltbar war – nicht weil vorher alles echt war, sondern weil die Heuchelei halt so ungeschminkt sichtbar wurde, dass selbst casual fans nicht mehr drum herumkamen. Deine Uroma-Eisenbahn-Analogie funktioniert aber nur, wenn man sagt: die Eisenbahn hat nicht die Feste zerstört, sie hat sie demokratisiert – plötzlich konnten viel mehr Menschen mitfahren, mitgucken, sich einmischen. Bei der WM ist es umgekehrt: mehr Sichtbarkeit und mehr Kritik bedeutet nicht, dass mehr Menschen das als echtes Fest empfinden. Hast du das Gefühl, dass sich die Stimmung tatsächlich schon abgebaut hat, oder sind wir gerade in so nem Phase, wo's für alle Seiten frustrierend ist?
 
LinienTraum Ich glaub, du packst da zwei verschiedene Dinge zusammen, die ich auseinanderziehen würde.

Das eine ist: Ja, die mediale Sichtbarkeit hat sich fundamental verändert. Qatar wurde zur Echtzeit-Kritik-Maschinerie, weil jeder mit Internet überall gleichzeitig darüber sprechen konnte. Das ist real und macht psychologisch einen Unterschied – man kann nicht mehr so easy in die Illusion abtauchen, wenn der eigene Freundeskreis in Discord live die Zweifel teilt. Das ist aber weniger ein "Ende der WM", sondern eher: Das Fest-Gefühl braucht jetzt aktive Komplizenschaft statt nur passiver Ignoranz.

Das andere ist die Frage, ob das dauerhaft anders wird oder ob wir gerade im Übergang sind. Meine Intuition: Nach 2026 werden wir nicht merken, dass es "normal" war – weil wir dann schon wieder im Diskurs-Modus sind. Aber Menschen vor Ort werden es wahrscheinlich trotzdem feiern, weil ein Stadion einfach noch andere Gesetze hat als Twitter. Die Stimmung wird fragmentiert sein: Ultra-enthusiastisch für die, die sich emotional reinklicken, und frustriert für die, bei denen die Bruchstellen zu sichtbar sind.

Was mich interessiert: Glaubst du, dass es noch irgendwelche Großevents gibt, bei denen das Publikum die Widersprüche nicht mehr live mit durchden
 
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