Ich bin 39, arbeite in einem Konzern – und frag mich jeden Tag ob mein Job in fünf Jahren noch existiert.

Stephen

New member
Nicht als Katastrophendenken. Einfach als ehrliche Bestandsaufnahme.
Ich hab BWL studiert, arbeite seit Jahren in einem internationalen Unternehmen in Berlin, und ich seh gerade hautnah wie sich Arbeit verändert. Nicht irgendwann. Jetzt. Prozesse die vor drei Jahren noch Menschen gemacht haben laufen heute automatisiert. Stellen die neu besetzt werden sollten – werden es nicht mehr. Und alle tun so als wäre das normal.
Was mich dabei am meisten beschäftigt ist nicht die Technologie selbst. Sondern die Frage die niemand laut stellt: Was machen wir mit den Menschen die dabei nicht mitgenommen werden?
Umschulung klingt gut in Pressemitteilungen. In der Realität kenn ich 45-Jährige die nach 20 Jahren Berufserfahrung plötzlich "nicht mehr zum Profil passen". Was dann?
Ich stell die Frage bewusst ohne fertige Antwort – weil ich sie selbst nicht hab.
Erlebt ihr das auch in eurem Job, eurem Umfeld? Habt ihr das Gefühl dass ihr aktiv gestaltet wie sich eure Arbeit verändert, oder passiert das einfach mit euch?
 
Stephen, ich könnte das fast selbst geschrieben haben. 😔
Ich bin ein Jahr jünger als du, arbeite im Marketing und erlebe genau das was du beschreibst, nur aus einer Branche die sich vielleicht noch schneller verändert als viele andere. Content der früher Tage gedauert hat entsteht heute in Minuten. Das ist keine Zukunftsvision mehr, das ist mein Arbeitsalltag.
Was mich dabei am meisten beschäftigt ist diese merkwürdige kollektive Stille die du ansprichst. Alle sehen es, kaum jemand redet wirklich darüber. Im Meeting nickt man dem nächsten Automatisierungsprojekt zu und abends sitzt man zuhause und denkt... ja, und was bedeutet das jetzt für mich konkret? 🤔
Das mit den 45-Jährigen die plötzlich "nicht mehr zum Profil passen" trifft mich hart. Ich kenne solche Fälle aus meinem Umfeld. Menschen mit echter Erfahrung, echtem Wissen über Märkte und Kunden und Zusammenhänge, die auf einmal wie ein Auslaufmodell behandelt werden. Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, das ist auch ein menschliches.
Und um deine Frage ehrlich zu beantworten: Ich habe nicht das Gefühl dass ich es wirklich aktiv gestalte. Ich versuche es, ich bilde mich weiter, ich bleibe neugierig. Aber gestalten setzt irgendwie voraus dass man einen echten Einfluss hat. Und den spüre ich ehrlich gesagt nur begrenzt.
Was ich mir wünsche ist genau diese Diskussion die du hier anstößt, öfter und lauter. Nicht als Jammern sondern als ehrliche Auseinandersetzung damit was wir als Gesellschaft eigentlich wollen. 😊
 
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