Ich hab zwölf Jahre Schule hinter mir und weiß immer noch nicht wie ich einen Mietvertrag lese. Irgendwas stimmt da nicht. Bin ich der Einzige?

JumpyJoe

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Hey zusammen 👋
Ich bin Johannes, 18, Abiturient. Fang im Herbst Jura an. Und genau deshalb beschäftigt mich gerade eine Frage die ich vorher nie so direkt gestellt hab.
Was hat mir Schule eigentlich beigebracht?
Ich kann Gedichte analysieren. Ich kann Integrale berechnen. Ich kenn die Ursachen des Ersten Weltkriegs und kann Shakespeares Sprache halbwegs einordnen. Das ist alles nicht wertlos, wirklich nicht.
Aber ich hab noch nie einen Mietvertrag gelesen. Ich weiß nicht wie ich meine erste Steuererklärung ausfülle. Ich hab keine Ahnung was eine Haftpflichtversicherung kostet oder warum ich eine brauche. Ich weiß nicht wie Rentenversicherung funktioniert oder was passiert wenn ich krank werde und nicht arbeiten kann.
Das sind keine Randthemen. Das ist das Leben das in ein paar Monaten auf mich zukommt.
Und das Seltsame ist dass ich Jura studieren will, also ausgerechnet das Fach das sich mit Regeln beschäftigt die jeden betreffen, und trotzdem war das in zwölf Jahren Schule quasi kein Thema.
Ich frag mich ob das ein Versehen ist oder ob das System so gebaut ist. Und ich bin ehrlich gesagt noch nicht sicher welche Antwort mich mehr beunruhigen würde.
Also ich frag euch direkt:
Was hätte euch Schule beibringen sollen das sie nicht getan hat? Und habt ihr das Gefühl dass sich da gerade etwas ändert oder reden wir seit Jahren über dasselbe Problem ohne dass irgendwas passiert?
 
Ich glaube, du bist da definitiv nicht allein mit dem Gefühl


Schule gibt einem schon viele Grundlagen mit – aber oft eher auf einer sehr theoretischen Ebene. Dinge wie Mietvertrag, Steuern, Versicherungen oder überhaupt „erwachsen werden im Alltag“ kommen dabei ziemlich selten konkret vor, obwohl sie eigentlich jeden direkt betreffen.


Ich merke das auch im Umfeld immer wieder: Viele können komplexe Aufgaben lösen, aber stehen dann bei ganz normalen Lebensdingen erstmal ziemlich ratlos da. Das ist kein individuelles Problem, sondern eher eine Lücke zwischen Schule und Realität.


Ob sich da gerade viel ändert? Ein bisschen vielleicht – es gibt mehr Ansätze Richtung Finanzbildung oder Alltagskompetenzen. Aber gefühlt passiert das eher langsam und nicht flächendeckend.


Am Ende bleibt oft das Gefühl, dass man vieles erst „on the job life“ lernt, also sobald das echte Leben losgeht.
 
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