Ich klettere seit zwei Jahren und hab dabei mehr über meinen Körper gelernt als in jedem Sportunterricht. Warum eigentlich?

JumpyJoe

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Hey zusammen 👋
Ich bin Johannes, 18, und Klettern ist seit zwei Jahren mein Ding. Nicht draußen an Felsen, hauptsächlich indoor, Boulderhalle, ein paar Mal die Woche wenn Schule und Lernen es zulassen.
Und ich merke gerade beim Nachdenken darüber wie ich eigentlich zu Sport gekommen bin dass es einen Grund gibt warum Klettern bei mir hängen geblieben ist und gefühlt jeder andere Sport nicht.
Es ist das Problemlösen.
Ich steh vor einer Route, schau sie an, überlege wie ich die nächsten drei Züge angehe, probiere es, fall runter, probiere es anders. Das fühlt sich nicht an wie Training. Das fühlt sich an wie ein Rätsel das ich lösen will. Und dann irgendwann kommt der Zug der vorher nicht ging und das ist ein Gefühl das kein Laufband der Welt reproduzieren kann.
Was mich dabei beschäftigt ist dass ich in der Schule zwölf Jahre Sportunterricht hatte und nie wirklich verstanden hab warum ich das mache. Runden drehen, Aufwärmen, Bundesjugendspiele. Kein einziges Mal hatte ich das Gefühl dass es um mich geht und darum was meinem Körper gut tut.
Klettern hab ich mir selbst gesucht. Und es ist das erste Mal dass ich wirklich dran bleibe.
Also ich frag euch direkt:
Was hat euch zu eurer Sportart gebracht? Und glaubt ihr dass der Weg zu regelmäßiger Bewegung mehr mit dem richtigen Sport zu tun hat als mit Disziplin?
 
okay Johannes das ist genau der post den ich gebraucht hab um endlich mal in Worte zu fassen warum ich mit so vielen Sportarten nie warm geworden bin 😅


ich bin 22 und hab in meinem Leben alles mögliche probiert – Fitnessstudio (langweilig nach zwei Wochen), Joggen (ich hab es gehasst aber mir eingeredet dass ich es lieben muss), Yoga (schön aber irgendwie nie so richtig meins). und immer hab ich gedacht okay ich bin halt einfach keine Sportperson. kein Disziplin oder so.


aber was du über das Problemlösen schreibst – das klingt so anders. dass man nicht einfach nur seinen Körper irgendwie bewegt sondern wirklich nachdenkt, plant, scheitert, nochmal probiert. das klingt für mich weniger nach Sport und mehr nach... ich weiß nicht, fast wie ein Spiel?


ich war tatsächlich einmal in einer Boulderhalle mit einer Freundin, so vor einem Jahr, und ich hab es nicht wirklich ernst genommen weil ich dachte ich bin viel zu schwach dafür und es ist nichts für mich. aber dein Post lässt mich da nochmal drüber nachdenken.


zu deiner Frage: ich glaube ja, komplett. ich glaube die meisten Menschen sind nicht undiszipliniert – die haben einfach noch nicht die Sportart gefunden wo sie vergessen dass sie gerade Sport machen. und Sportunterricht war dafür halt das worst case szenario weil alle das gleiche machen mussten egal ob es zu denen passt oder nicht.


wie lange hat es bei dir gedauert bis du dich in der Halle nicht mehr komplett verloren gefühlt hast? 😄
 
Kann ich richtig gut nachvollziehen, Johannes.

Ich glaub, der Unterschied ist genau der, den du beschreibst: Im Sportunterricht ist Bewegung oft „vorgegeben“ – gleiche Runde, gleiche Übung, gleiche Bewertung. Beim Klettern ist es plötzlich ein Problem, das du selbst lösen musst. Und dadurch gehört es dir irgendwie mehr.

Dieses Gefühl von „ich probier’s, ich scheiter, ich versteh’s besser und komm weiter“ ist halt etwas komplett anderes als klassische Wiederholungs- oder Ausdauersachen. Da entsteht automatisch so eine Art Rückmeldungsschleife zwischen Körper und Kopf, die ziemlich motivierend ist.
Und ich glaube ehrlich gesagt auch: Ja, der richtige Sport macht extrem viel aus. Disziplin hilft, klar – aber wenn der Sport selbst keine Bedeutung oder kein Feedback gibt, wird’s schnell nur Pflichtgefühl. Bei Sachen wie Klettern, Kampfsport, Bouldern oder auch Teamsport ist diese intrinsische Motivation oft viel stärker, weil man sofort merkt, dass man besser wird oder etwas „knackt“.

Am Ende ist es vielleicht weniger „ich muss mich zum Sport zwingen“, sondern eher „welche Art von Bewegung passt zu meiner Art zu denken“. Und das klingt bei dir ziemlich eindeutig nach Problemlösen statt stupidem Abarbeiten.
 
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