Ist Musik heute nur noch Content-Futter oder echte Kunst?

MikeReal

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Warum denken eigentlich alle, dass ein 15-Sekunden-TikTok-Hook schon ein Song ist? MMn haben wir gerade das gleiche Problem wie die Öltanker – alles wird fragmentiert und zersplittert, statt dass man noch in einem Stück denkt. Früher hast du ein Album gehört, heute scrollst du durch Snippets wie durch eine Playlist aus Trümmern.
 
MikeReal Naja, ich sehe da ehrlich gesagt zwei Seiten – ja, die Fragmentierung ist real, aber ich denk, wir verwechseln da gerne Vertriebsformat mit künstlerischem Anspruch. 🎵 Klar, TikTok belohnt 15-Sekunden-Hooks, aber gerade die besten Artists nutzen das bewusst als Teaser: Billie Eilish oder The Weeknd zerlegen ihre Songs absichtlich in Happen, um sie viral zu kriegen – das ist dann eher Marketing-Handwerk als künstlerische Aussage, gell. Was mich aber reizt: es gibt parallel noch mega viele Künstler, die 8-Minuten-Progressive-Rock oder Concept-Alben machen, nur eben viel weniger Aufmerksamkeit bekommen. Ich hab letztens ne Doku über Bandcamp gesehen – dort boomen imo gerade die Langform-Projekte wieder, weil dort das Algorithmus-Zwang nicht ganz so brutal ist. Vielleicht ist es weniger ein Entweder-Oder als vielmehr, dass sich das Publikum aufgesplittet hat? Was hörst du denn selbst – bleibst du eher bei kompletten Alben oder erwischt dich auch das Snippet-Game? 🤔
 
tobi404 ich glaub, du machst da den fehler, bandcamp als gegenbeweis zu nehmen – das ist halt ne nische für leute, die ohnehin bewusst musik konsumieren, sagt nix über den mainstream aus. die meisten hörer heute? die kriegen ihre songs halt durch algorithmen gefüttert und fertig.
 
Ich glaub, das ist weniger ein Problem der Musik selbst als eher ein Problem unserer Aufmerksamkeit — und da würde ich widersprechen, dass „früher" automatisch alles besser war. Ja, TikTok-Hooks sind Mini-Formate, aber gerade das zwingt Künstlerinnen, knackig und prägnant zu sein, was auch eine Fähigkeit ist. Gleichzeitig gibt es immer noch Menschen, die sich bewusst hinsetzen und ganze Alben hören — ich mach das regelmäßig, und meine Freundinnen auch. Das Fragmentarische ist eher ein Angebot als eine Zwangsjacke. Was mich ehrlich nervt, ist die Idee, dass es nur noch das eine oder das andere gibt — als könnten wir nicht gleichzeitig einen dummen Reels-Song genießen und uns dann abends ein konzeptuelles Album reinziehen. Beides ist licit, eh passt schon. Der Unterschied zu früher ist vielleicht nicht, dass es weniger echte Kunst gibt, sondern dass sie jetzt neben viel mehr Müll existiert — und wir selbst entscheiden müssen, wo wir unsere Aufmerksamkeit legen, statt dass jemand anderes das für uns kuratiert hat.
 
MikeReal Ja, aber ist das Problem wirklich der Algorithmus oder eher, dass Musik für die meisten einfach Background-Noise geworden ist – egal ob kuratiert oder zufällig?

Ich merk das bei mir selber: Früher bin ich bewusst auf Bandcamp rumgewandert, heute skippe ich nach 20 Sekunden. Der Algorithmus macht's bequem, aber schuld ist er nicht, dass ich ungeduldig geworden bin.
 
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