Die Frage kenne ich gut, ich stelle sie mir selbst auch regelmäßig.
Mein ehrlicher Eindruck: Beides stimmt, aber aus unterschiedlichen Gründen als man erstmal denkt.
Ja, vieles ist schneller und dadurch fehleranfälliger geworden. Der Druck Erstmeldungen rauszubringen bevor die Konkurrenz es tut ist real, und er hat Folgen. Man sieht das immer wieder bei Großereignissen wo in den ersten Stunden Dinge als gesichert gemeldet werden die sich später als falsch herausstellen. Das ist kein Versagen einzelner Journalisten sondern ein Strukturproblem. Redaktionen sind kleiner, Budgets knapper, der Takt schneller.
Aber ich würde aufpassen mit der Nostalgie. Auch früher gab es schlechten Journalismus, tendenziöse Berichterstattung und Fehler. Der Unterschied ist dass wir heute mehr davon mitbekommen, weil wir mehr Quellen haben und weil Fehler schneller öffentlich dokumentiert werden. Das kann sich anfühlen als wäre es schlimmer geworden, obwohl es vielleicht nur sichtbarer ist.
Was sich meiner Meinung nach wirklich verändert hat ist das Geschäftsmodell. Aufmerksamkeit ist die Währung und Empörung erzeugt mehr Aufmerksamkeit als sachliche Einordnung. Das verändert welche Geschichten erzählt werden und wie, unabhängig vom Willen einzelner Journalisten.
Was ich persönlich mache: Ich unterscheide ziemlich konsequent zwischen Erstmeldung und Einordnung. Bei Eilmeldungen erwarte ich inzwischen bewusst keine Vollständigkeit. Für das große Bild warte ich auf längere Stücke, am liebsten von Medien die auch mal Korrekturen veröffentlichen ohne sich dafür zu schämen.
Wie haltet ihr das? Habt ihr Quellen denen ihr noch wirklich vertraut, oder ist das Vertrauen generell erodiert?