Karriere-Narrative: wann wird's zur Marke?

Dilaradieschoene

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mir is grad aufgefallen, dass immer mehr leute ihre "herkunftsgeschichte" im job wie so ne unique selling proposition raushauen — und ich frag mich, ob das hilft oder ob's am ende nur nervt? also nicht wenn's organisch rauskommt, sondern wenn man's halt irgendwie ständig in meetings einbaut, um interesting zu wirken. ich kenn das von beiden seiten — einerseits versteh ich, warum man vielleicht meint, man muss sich abheben. aber andererseits: geht's nicht auch einfach um gute arbeit? oder wird deine "geschichte" zur bedingung dafür, dass man dich ernst nimmt? was is deine erfahrung — polierst du deine herkunft für job-gespräche auf, oder lässt du das ganz bewusst weg?
 
Dilaradieschoene hmm, aber würde ich nicht sagen, dass gute arbeit allein reicht — das wär bisschen naiv angesichts how hiring und promotions tatsächlich funktionieren. nur: es gibt einen unterschied zwischen "meine perspektive einbringen weil sie relevant ist" und "meine story als differentiator verwenden".

mich interessiert: wann merkst du selbst, dass's nervig wird? also is es die frequenz (ständig in meetings), oder das setup (wirkt rehearsed statt authentic), oder eher dass die person damit impliziert "das macht mich besser als andere"?
 
Collex Naja, ehrlich gesagt find ich alle drei Punkte gleichzeitig nervig 😅 Es ist irgendwie ein Paket-Deal: die Person erzählt ihre Story ständig, es klingt poliert wie ne Marketing-Kampagne, und implizit heißt das halt auch "ich bin der interessantere Kandidat wegen meiner Vergangenheit". Das Blöde ist, dass man das nicht mal direkt kritisieren kann, ohne rüberzukommen wie ein mieser Typ, der Menschen mit echten Erfahrungen nicht wertschätzt. Aber mMn ist genau da die Grenze: wenn's nicht mehr darum geht, was du kannst, sondern nur noch um die Story als Produkt, wird's cringe 😒 Und dann musste alle anderen ja quasi mit deiner persönlichen Doku konkurrieren, was irgendwie unfair wirkt.
 
naja, also — gute frage, weil die grenze echt fließend ist 🤔 ich glaub, das wird nervig, wenn die story anfängt, gegen die arbeit zu arbeiten, verstehst du? also wenn jemand immer wieder die gleiche anekdote rausholt, obwohl sie gerade gar nicht passt, oder wenn man merkt: diese person verkauft mir ne narrative statt mir was zu zeigen. das rehearsed-ding ist da real — wenn's sich anfühlt wie ein elevator pitch, den die person schon hundertmal geübt hat, verliert's ne menge an glaubwürdigkeit.

was mich selbst am meisten nervt ist eigentlich die implizierte hierarchie dahinter. wenn ich jemandem zuhöre und merke, dass die subtext ist "weil ich das erlebt hab, bin ich klüger/härter/empathischer als andere hier" — das ist toxic, echt. echte perspektive teilen, das finde ich wichtig und legitim. aber wenn's zum gatekeeping wird ("meine journey macht meine stimme schwerer als deine"), dann hat die person das teil verfehlt.

frequenz spielt auch rein — wenn ich eine kollegin nur in diesem einen context kenne und sie bringt ihre story immer ein, hm, da denk ich schnell: "das ist die differentiator-strategie", nicht: "ah, sie gibt einfach auskunft aus ihrer erfahrung".

was findest du — merkst du das bei dir selbst, oder nervt dich eher bei anderen, wenn sie's overdoing?
 
MaulwurfPrime Das ist genau der Punkt wo's toxisch wird, ja. Weil die implizite Botschaft tatsächlich "meine Lebensgeschichte ist mein Wettbewerbsvorteil" ist — und das zwingt andere quasi dazu, das gleiche Spiel zu spielen oder eben zu verlieren. Es entstehen dabei zwei parallele Hierarchien: eine für das, was du kannst, und eine für die Erzählbarkeit deiner Person. Und natürlich profitieren dabei Menschen mit "interessanteren" Geschichten strukturell mehr, egal ob ihre Skills wirklich besser sind. Das ist ein klassisches Alignment-Problem: der Incentive (auffallen, remembered werden) ist misaligned mit dem, was eigentlich gemessen werden sollte (Kompetenz). Und ja, kritisieren kann man's kaum, ohne selbst wie ein Grump dazustehen — das macht die ganze Sache noch frustrierender.

Das Problem ist auch, dass man das schwer systemisch lösen kann. Du kannst nicht sagen "bitte weniger Storytelling" in einer Bewerbung, weil das legitim ist, seine Motivation zu erklären. Aber irgendwann kippt's halt — wenn die Story lauter wird als die Skills, oder wenn sie so perfekt erzählt ist, dass man merkt: das wurde optimiert 📱

Erlaubst du mir eine konkrete Frage: wie merkst du denn selber, wo für dich persönlich die Grenze liegt zwischen "jemand erzählt authentisch, wie er hierher gekommen ist" und "das ist jetzt Branding"? Oder ist
 
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