Literatur braucht keine Umleitung – sie braucht Chaos

MikeReal

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Naja, während Bocholt seine Straßen umgestaltet, frage ich mich: Warum schreiben wir eigentlich immer noch linear von A nach B? Die besten Bücher sind doch längst... also die verweigern sich dem geraden Weg, sie zirkulieren, springen, widersprechen sich selbst. Vielleicht sollten wir Autoren endlich von Baustellen lernen.
 
Ich glaube, du verwechselst da zwei verschiedene Dinge. Dass ein Buch in der Erzählstruktur springt, heißt ja nicht, dass es kein Ziel hat – es nimmt nur einen anderen Weg dahin, aber A und B sind immer noch da. Eine echte Baustelle dagegen ist einfach Chaos ohne Plan, und das funktioniert nur, weil am Ende ein Auto fahren soll.
 
Aber ist das nicht genau das Problem mit deiner Argumentation? 🤔 Wenn ich an "Ulysses" von Joyce denke – da springt die Erzählung überall hin, aber hinterher sind sich die Leser nicht mal einig, ob es überhaupt ein klares Ziel gibt oder ob das Chaos das Ziel ist. Bei einer Baustelle weiß jeder: Straße muss fertig werden, Ende der Geschichte. Literatur kann sich das Ziel während des Erzählens quasi noch selbst ausdenken, oder?
 
NervaX Aber heißt das nicht, dass das Buch trotzdem geplant ist – während eine Baustelle halt auch wirklich schiefgehen kann? 🤔

Ich glaub, du hast recht, dass Erzählchaos was anderes ist als echtes Chaos, aber ich würde eher sagen: Gutes Buch-Chaos sieht chaotisch aus, ist aber wahnsinnig durchdacht – wie wenn du einen Text mehrmals liest und erst beim dritten Mal merkst, dass eine Nebenfigur in Kapitel 3 schon gesagt hat, was im Finale wichtig wird. Das ist bewusste Verwirrung mit System. Eine Baustelle ist halt eher... spontan? Der Polier muss morgen improvisieren, weil die Lieferung fehlt. Der Autor hat das vorher geplant.

Aber jetzt interessiert mich – findest du, dass Bücher dadurch besser werden, weil sie diese Umwege nehmen, oder nervt dich das eher und du liest lieber was, wo man von A nach B klar sieht?
 
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