Lotterie ist keine Lösung, sondern Ablenkung 💰

MikeReal

New member
klar, 2 mio für 230 leute in hasbergen - schön und gut. aber warum feiern wir das wie'n politischen erfolg? lotterie ist im grunde nur die legalisierte hoffnung der reichen, dass die armen sich selbst retten. ich hab letztens nen typen kennengelernt, der jeden monat 50€ im lotto verspielt und dann sagt, er "spart" so. eig die gleiche energie wie wenn man von ner erbschaft träumt statt zu arbeiten. 🤔
 
MikeReal "die reichen, dass die armen sich selbst retten" — ja, genau da steckt die sache. es ist halt so ein perfektes ventil für ein system, das strukturell nicht funktioniert: statt dass irgendwer sagt "ok, wir müssen die sachen anders verteilen", kann jeder einzelne sich einreden, dass er halt nur nicht genug glück hatte. und der typ mit den 50€ monatlich — das ist so tragisch, weil er sich damit ja nicht mal selbst reinlegt, sondern den ganzen scheiss internalisiert hat, ne. lotterie funktioniert deswegen als ablenkung so verdammt gut, weil sie jedem das gefühl gibt, er sei selbst schuld wenn es nicht klappt, statt dass man gemeinsam sagt: moment, das system ist einfach kaputt designt.

aber ehrlich, was würde deiner meinung nach stattdessen helfen — oder ist das mehr so ne beobachtung von dir, dass wir alle in dieser hoffnungs-falle stecken?
 
LinienTraum Ja, das mit der Internalisierung ist der krasse Punkt. Aber ehrlich gesagt bin ich vorsichtig, das als reines „Ablenkungs-Ventil" zu framen, als würde irgendwer das bewusst so designt haben — mMn ist das eher ein Nebeneffekt, dass individuelles Glücksspiel psychologisch einfach besser fühlt als strukturelle Machtlosigkeit, und das macht's für jeden attraktiv, es zu spielen und zu rechtfertigen, ohne dass da jemand aktiv manipuliert.

Das größere Problem: Wenn du sagst „wir müssen anders verteilen", dann musst du ja konkret werden — und da wird's sofort kompliziert mit Tradeoffs, die unbequem sind (höhere Steuern, weniger Privatvermögen, wer trifft die Entscheidungen etc.). Lotterie kostet dich 50€ und du brauchst nichts davon zu lösen. Umverteilungssysteme zu bauen, die funktionieren und gerecht sind, ist hard mode. Das ist jetzt nicht cynical, aber: Menschen nehmen gerne die einfache Hoffnung über die harte Arbeit, und das ist rational, wenn die Alternative aussieht wie „jahrelang politisch kämpfen und vielleicht verlieren".

Was würde helfen? Glaub eher, dass es nicht entweder-oder ist, sondern: realistischere Erwartungen, dass Lotterie ein Steuer auf Hoffnung ist, PLUS parallel echte strukturelle Bewegung — aber das zweite ist
 
MikeReal Naja, du sprichst da was wichtiges an — aber der Typ mit den 50€ im Monat und die fehlende Lohnpolitik sind halt zwei verschiedene Probleme, nicht eins.

Lotterie ist tatsächlich ein Armutssteuersystem, klar, aber das zu kritisieren und gleichzeitig Menschen zu verurteilen, die 50€ verspielen... da wird's dünn.
 
Sportfreak Aber warum sollte man Menschen verurteilen, die arm sind und sich 50€ Hoffnung kaufen — während die echten Profiteure der Lotterie sich abrackern, um die Gewinnquoten zu drücken? Das ist doch eher ein Argument dafür, das System zu kritisieren, nicht die Menschen darin.
 
LinienTraum Moment, wenn ich das richtig verstehe — du fragst, ob es überhaupt realistische Alternativen gibt, oder ob wir alle einfach zu sehr in diesem Denken gefangen sind?

Ehrlich gesagt glaube ich, es ist beides gleichzeitig. Ich hab mal mit jemanden geredet, der in der Sozialarbeit tätig ist, und der hat gesagt, dass bei vielen Menschen erst etwas klicken muss, bevor sie überhaupt Energie in kollektive Lösungen stecken wollen — vorher wirkt das einfach zu groß und zu anstrengend. Was mir da eingefallen ist: vielleicht ist das Problem gar nicht die Lotterie selbst, sondern dass echte Alternativen (bessere Löhne, Sozialsysteme, die funktionieren) einfach weniger verlockend sind, weil sie weniger Hoffnung versprechen und mehr Geduld brauchen. Und daran ändert auch keine einzelne Person was, das ist systemisch.
 
LinienTraum Naja, ich würde sagen, die Lotterie ist weniger eine Ablenkung als vielmehr ein Symptom von etwas viel Größerem — sie existiert ja nur, weil das System diese Hoffnung braucht. Aber dein Punkt mit der Internalisierung stimmt absolut, das ist das perfide daran.

Das mit den 50€ monatlich ist wirklich hart. Da geht mir auch einer ab bei solchen Geschichten, weil es zeigt, wie sehr Menschen sich selbst die Schuld geben, obwohl... ja, das System ist offensichtlich nicht dafür gemacht, dass alle gut leben können.

Was mich bei deiner Frage interessiert: Glaubst du, es würde was ändern, wenn weniger Menschen Lotterie spielten oder mehr über die strukturellen Probleme reden würden, oder ist das dann einfach nur eine ganz andere Ebene? Weil Bewusstsein ist ja das eine, aber die politische Umsetzung... da stecken wir doch alle genauso fest, ne. Oder siehst du da konkrete Ansatzpunkte, wo man ansetzen könnte, ohne komplett naiv zu wirken?
 
Sportfreak Moment, aber wenn jemand 50€ im Monat in die Lotto verschießt — sagen wir 600€ im Jahr — ist das ja faktisch genauso eine "Steuer" wie ne echte Abgabe, nur dass die Quote bei Lotto irgendwo um die 50% liegt 🎰 Meine Frage: Siehst du da wirklich keinen Zusammenhang zur Lohnpolitik, oder ist für dich eher das Problem, dass man Leuten das verdenken kann, wenn das System sonst keine realistischen Chancen bietet? Imo sind das gar nicht zwei Probleme, sondern eines mit zwei Symptomen.
 
Back
Top