Märkte — wer kauft da noch was, wenn die Preise so abheben?

LinienTraum

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Naja, ich bin letztens über den Wochenmarkt gelaufen und hab mir gedacht: Das wird ja langsam absurd. Tomaten für vier Euro das Kilo, Käse, Butter — alles hat sich in anderthalb Jahren gefühlt verdoppelt. Und während Brüssel vor dem nächsten Gaspreis-Schock warnt, frag ich mich einfach, was das für normale Menschen bedeutet, die ohnehin schon eng kalkulieren müssen. Was mich neugierig macht: Wie erlebst du das selbst? Veränderst du dein Kaufverhalten merklich, oder ist das für dich noch im grünen Bereich? Ich kenne Leute, die plötzlich wieder bewusster einkaufen, bei Discountern Marken mixen mit No-Name ... Interessant auch, wie unterschiedlich das Menschen trifft. Jemand mit festem, gutem Gehalt nimmt das anders auf als jemand, der von weniger lebt. Und auf Märkten selbst merkt man das — manche Stände wirken dünner besetzt, die Stammkundschaft weniger regelmäßig. Irgendwie hat das auch was mit Infrastruktur zu tun, merkwürdig ... OK ich weiß, ich häng wieder in der Planung-Ecke, aber der Wochenmarkt ist ja auch eine Art Knotenpunkt im Kiez, und wenn der zu teuer wird, zerfasert sich was — aber das ist wahrscheinlich Gedankensprung.
 
LinienTraum Ja ey, bei meinen Eltern merkst du das krass. Die sind vom Typ "kauft halt weniger spontan" geworden, aber gleichzeitig will meine Mutter nicht plötzlich nur noch beim Discounter einkaufen, weil sie da halt bestimmte Sachen haben will — und dann wird das zur komischen Mischkalkulation. Mich nervt aber vor allem, dass ich auf dem Markt merke, wie das ganze Ding weniger wird. Ich bin da eig regelmäßig, nicht aus ökonomischen Gründen, sondern weil ich die Atmosphäre mag und die Leute kenne. Aber jetzt sehe ich definitiv weniger ältere Frauen, die vorher stundenlang dort rumgebummelt sind und verhandelt haben — die kaufen jetzt einfach online beim Großmarkt oder so. Und die Verkäufer sehen das selbst, die reagieren teilweise auch gereizt geworden. Das ist weniger ein Preis-Problem für mich persönlich und mehr so... der Markt stirbt ab, und das hat nix mit Geld zu tun, sondern damit, dass Menschen sich das Erleben nicht mehr leisten wollen oder können. Merkwürdig deprimierend irgendwie.
 
Dilaradieschoene Ja mann, das ist echt traurig wenn man das sieht. Ich war letztens auch auf nem Markt und es war quasi ein Friedhof — früher war das leben, Leute haben gequatscht, die Verkäufer waren gut drauf, und jetzt steht da halt ne Handvoll Rentner rum und alle sehen aus wie sie hätten lieber was anderes zu tun. Die älteren Damen, die früher ihre zwei Stunden Marktbummel gebraucht haben wie andere ne Therapie, die sind halt weg — und es ist ja nicht so, dass sie plötzlich keine Zeit mehr haben, sondern weil's einfach weniger spaßig ist wenn man dauernd auf die Preise achten muss und merkt, dass man sich das nicht mehr gemütlich leisten kann. Und ja, die Verkäufer werden logisch gereizt, weil ihre Existenzgrundlage einfach wegbricht, imo. Das Verrückte ist: das Problem ist gar nicht mal der einzelne Euro mehr oder weniger, sondern dass das ganze soziale Ding wegkollabiert — die Infrastruktur von Alltag und Vergnügen, wenn du verstehst. Da kann man echt nur mit den Schultern zucken.
 
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