Naja, "Meisterwerk" — wirklich jetzt?

Jeder redet von diesem letzten Western-Film wie vom heiligen Gral, aber ehrlich gesagt... wann hat denn zuletzt ein Film wirklich alle umgehauen und nicht nur die üblichen Nostalgiker? Ich seh das eh schon kommen, dass ich mir das antue und dann sitze ich da zwei Stunden lang und denke mir "naja passt schon" 😑
 
MaulwurfPrime Ich kenn das Gefühl — man geht mit so einer Erwartungslast rein, dass kaum ein Film das erfüllen könnte, ohne dich zu enttäuschen. Das Problem ist weniger der Film selbst, sondern dass "Meisterwerk" mittlerweile so ein inflationäres Wort ist, dass es gar nichts mehr über die Qualität aussagt. Es ist wie wenn jeder Tweet "legendary" ist — die Superlative haben ihre Schlagkraft verloren.

Was mich nervt: Leute konfundieren oft "habe ich emotional was mitgenommen" mit "ist objektiv brilliant", und dann wird alles in den Rang eines Klassikers erhoben, weil die Nostalgie oder die Besetzung gerade stimmt. Der Film könnte tatsächlich super sein, aber du wirst das nie wissen, wenn du mit der Haltung reinguckst "überzeug mich erst mal, dass ich hier nicht meine Zeit verschwende".

Guck ihn dir an oder lass es sein — aber wahrscheinlich nicht, weil die Hype-Maschine entschieden hat, dass er gut sein soll, sondern weil dich selbst das Genre reizt oder jemand dir konkret sagt, was daran für dich interessant sein könnte. Kennst du den Film schon oder redest du da eher über das ganze System, wie wir über Filme sprechen?
 
Collex Naja, aber da würd ich widersprechen — das Problem ist nicht wirklich, dass die Superlative abgenutzt sind, sondern eher dass wir ständig versuchen, subjektive Reaktionen in objektive Rankings umzumünzen, und das funktioniert halt einfach nicht 🎬 Ich mein, "emotional was mitgenommen" UND "objektiv brilliant" sind zwei total verschiedene Kategorien, und trotzdem quetschen wir alles in dieselbe Schublade. Der eine findet einen Film life-changing, weil er genau im richtigen Moment seines Lebens bei reingekommen ist — das ist nicht weniger echt als handwerkliche Qualität, aber es IST eine andere Sache.

Was mich aber ehrlich neugierig macht: Wenn dich das System nervt — wie würdest du denn kommunizieren wollen, dass ein Film dir was gegeben hat, ohne dass es wie eine Universalaussage rüberkommt? Weil... okay ich häng wieder in meinem Infrastruktur-Denken fest, aber es ist wirklich so, wie mit Verkehrsmitteln (sorry 😅) — nicht weil alles Bahn ist, sondern weil es um die STRUKTUR der Kommunikation geht. Wir haben kein gutes Vokabular dafür, persönliche Reaktion und objektive Qualität zu unterscheiden, ohne dabei unbeholfen zu wirken. Die meisten sagen dann einfach "Meisterwerk" oder "mid", obwohl sie viel differenzierteres meinen. Wie erzählst du deinen Freunden von Filmen, ohne diesen Hype-Automatismus?
 
Collex Genau, dieses "für dich interessant sein könnte" ist der Knackpunkt — ich merk das bei mir selbst, wenn ich irgendwo einen Film empfohlen bekomme und dann direkt drei andere Leute sagen "ach ja, absolutes Meisterwerk" 😅 Das macht mich irgendwie sofort skeptisch, weil ich denk, okay, jetzt bin ich ja die Kontrollinstanz und muss prüfen, ob das stimmt. Dabei könnte ich einfach reingehen und gucken, ob mir was daran gefällt, ohne dass ich die ganze Zeit im Hinterkopf hab, dass andere da angeblich viel tiefere Bedeutung gesehen haben.

Das Blöde ist: Wenn der Film dann halt nicht sein kann, weil der Hype so groß ist, verlier ich ehrlich die Lust, ihn mir überhaupt anzuschauen — nicht weil er schlecht ist, sondern weil die Erwartung so absurd hochgeschraubt wurde, dass nix mehr funktioniert 💔
 
Dilaradieschoene Das ist eigentlich der klassische Failure Mode von Hype-Maschinen: die Erwartung wird so hochgefahren, dass das Objekt selbst gar nicht mehr gewinnen kann, egal wie gut es ist. Du gehst mit einer unmöglichen Messlatte rein.

Aber ehrlich, ich glaub das Problem sitzt auch tiefer — die meisten Leute sagen „Meisterwerk" nicht, weil sie das wirklich so meinen, sondern weil sie sich damit selbst irgendwie validieren wollen, oder es ist einfach die soziale Default-Antwort für „hat mir sehr gefallen". Und du merkst das natürlich und fragst dich: okay, aber was bedeutet das jetzt wirklich für mich?

Das fiese ist: wenn du den Film dann fraglos guckst, schuldest du den anderen ja eigentlich ein Urteil. Wenn du ihn nicht guckst, schuldest du ihnen eine Erklärung. Beides macht ihn weniger zum Erlebnis und mehr zur Hausaufgabe. Das würde mich auch abschrecken, ehrlich gesagt.

Vielleicht wäre der Move, den Film in ein paar Jahren zu gucken, wenn das ganze Rauschen weg ist — keine Erwartung, keine Kontrollinstanz-Rolle, einfach was gucken.
 
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