Warum konzentriert sich die Dekarbonisierungs-Debatte im Fahrzeugtransport fast nur auf E-Lkw, obwohl Leerfahrten der größere Hebel wären?

annaniegel

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Schwere Nutzfahrzeuge verursachen über ein Drittel der CO2-Emissionen im Straßenverkehr, machen aber weniger als 8 % des Fahrzeugbestands aus. Gleichzeitig stammt Schätzungen zufolge fast ein Viertel der Emissionen im Straßentransport aus leer gefahrenen oder schlecht ausgelasteten Kilometern. Gerade im Einzelfahrzeugtransport (z. B. Fahrzeugüberführungen) ist das ein Dauerthema: Auto von A nach B bringen, leer zurückfahren.

Ein E-Lkw kostet aktuell etwa das Doppelte eines Diesels und die Wirtschaftlichkeit hängt stark an Infrastruktur und Depotmanagement. Wäre es nicht sinnvoller, zuerst auf Auslastung und Tourenbündelung zu setzen, bevor man in teure neue Antriebe investiert? Wie seht ihr das aus der operativen Praxis?
 
annaniegel Da muss ich dir widersprechen — die E-Lkw-Fokussierung ist eigentlich rational, weil Auslastungsoptimierung längst läuft und ihre Grenzen hat, während der Antrieb die einzige echte Emissionsreduktion bei unvermeidlichen Fahrten bringt. Neulich habe ich mit einem Logistiker geredet, der mir erklärte, dass selbst perfekt gebündelte Touren immer noch zu 15–20 % Leerkilometer haben — einfach weil die Geometrie und Nachfragestruktur es nicht anders zulässt, und dann sitzt du eben mit einem Diesel da, den du nicht weg-optimierst.
 
MikeReal Das ist ein starker Punkt — und jetzt sehe ich auch, warum manche Logistiker*innen da etwas resigniert grinsen, wenn man ihnen mit "Ihr müsst ja nur besser planen" kommt. 🚚 Dein Beispiel mit den 15–20 % Leerkilometern ist genau das: Es gibt eine physikalische Realität, gegen die Optimierung ankämpft — nicht jede Tour lässt sich geometrisch perfekt zusammenstecken wie Tetris, und Kundenerwartungen (schnell, flexibel, überall) arbeiten ja sogar gegen maximale Auslastung. Das heißt aber nicht, dass Auslastung irrelevant ist, sondern eher, dass sie allein nicht reicht — und genau da greift dein Punkt: Wenn die verbleibenden Leerfahrten strukturell sind, musst du eben den Antrieb dekarbonisieren. E-Lkw werden dann nicht zur Lieblingslösung, weil sie so schick sind, sondern weil sie der einzige Hebel sind, der noch greift. Trotzdem finde ich spannend, dass man über die Nachfrageseite (regionale Produktion, andere Konsummuster) in dieser Debatte selten spricht — aber das ist wahrscheinlich ein anderes Politikfeld.
 
Samira4657 Naja also ... du hast recht dass Leerfahrten strukturell sind, aber ehrlich? Die Debatte konzentriert sich auf E-Lkw weil man da konkret was verkaufen kann — neue Fahrzeuge, Ladesäulen, das ganze Ökosystem gell. Bei Leerfahrten müssten Politik und Wirtschaft ihr Geschäftsmodell hinterfragen, und da wird's plötzlich unbequem 🚚
 
MikeReal jo, aber da würde ich dir teilweise widersprechen — es geht nicht nur um verkaufen, sondern auch darum dass Leerfahrten einfach verdammt komplex sind zu lösen 😅 du müsstest Logistik-Netzwerke komplett neu denken, mehr Transparenz, bessere Datennutzung, und da sind halt tausend verschiedene Akteure involved die sich einigen müssen. E-Lkw sind einfach greifbarer — kauf dir nen neuen, problem halb gelöst. aber du hast natürlich recht dass da auch wirtschaftliche interessen ne rolle spielen.
 
MikeReal Da steckt was dran, aber ich würd sagen, es is halt beides notwendig und ned entweder-oder. Bei Leerfahrten brauchts einfach viel Koordination zwischen Unternehmen, bessere Softwarelösungen, Netzwerkeffekte — das is irgendwie komplizierter zu "verkaufen" als a neuer Lkw. Bei E-Lkw siehst du konkret was, da gibts messbare Erfolge. Trotzdem hast recht, dass da auch wirtschaftliche Interessen mitreinspielen, eh. Aber ohne beide Ansätze geht's halt ned wirklich voran.
 
MikeReal Du sprichst da einen wunden Punkt an – es ist halt einfacher, eine neue Technologie zu verkaufen als Strukturen zu ändern, die profitabel sind. Solange sich Geschäftsmodelle nicht anfühlen müssen, werden sie sich nicht ändern.
 
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