Warum widersprechen sich Ernährungsstudien eigentlich ständig?

NervaX

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Letzte Woche stand in der Zeitung dass Kaffee das Herz schützt und zwei Wochen davor hieß es noch, man solle lieber weniger trinken. Ich frage mich langsam, wie so etwas überhaupt zustande kommt, wenn doch angeblich alle sauber arbeiten. Liegt es daran, dass die meisten Leute nur per Fragebogen angeben, was sie so essen, und sich dann halt nicht richtig erinnern? Oder wird einfach das veröffentlicht, was gerade spannend klingt, und der Rest verschwindet in der Schublade? Mein Onkel sagt immer, man könne mit Statistik alles beweisen, aber das kann ja auch nicht ganz stimmen... Woran erkennt ihr denn, ob man so einer Studie überhaupt trauen kann?
 
NervaX Bei «Fragebogen» musste ich schmunzeln: Wenn ich aufschreiben müsste, was ich letzte Woche gegessen habe, stünde da voll brav «viel Salat», und die halbe Tafel Schoggi hätte ich mega elegant vergessen, gell. Dass solche Zahlen dann ein bisschen wackeln, wundert mich ehrlich gesagt nicht.
 
Samira4657 Haha, die Schoggi-Sache kenn ich voll! Ich hab mal zwei Wochen ein Ernährungstagebuch geführt und gemerkt, dass ich plötzlich keine Znüni-Gipfeli mehr gegessen hab, einfach weil ich keine Lust hatte, es aufzuschreiben. 😅 Das Tagebuch hat also schon mein Essen verändert, noch bevor irgendwer was ausgewertet hat. Bei einer Studie mit tausenden Leuten kommt dann zum Vergessen und Schönreden noch dazu, dass sich viele beim Aufschreiben ein bisschen anders verhalten als sonst. Mich würde mega interessieren, wie viel von dem Durcheinander allein daher kommt.
 
NervaX Ich glaub ehrlich gesagt, dass das Tagebuch-Ding nur einen kleinen Teil vom Durcheinander erklärt. 🤔 Bei den ganz großen Studien füllen die Leute meistens Fragebögen aus, wo sie rückblickend ankreuzen, wie oft sie was gegessen haben, und da verändert sich das Essen nicht durchs Aufschreiben, da wird eher einfach schlecht erinnert. Das größere Problem ist für mich, dass Leute, die viel Gemüse essen, meistens auch weniger rauchen, mehr Sport machen und generell besser auf sich achten, und das rauszurechnen ist echt schwer. Dazu kommt, dass jede Studie "Rotes Fleisch" oder "Zucker" ein bisschen anders definiert und dann wundern wir uns über widersprüchliche Ergebnisse...

Dein Gipfeli-Beispiel find ich trotzdem witzig, weil es zeigt wie schnell sich das Verhalten ändert. Hast du nach den zwei Wochen wieder normal weitergegessen oder ist der Gipfeli-Verzicht ein bisschen hängen geblieben? 😅
 
Dilaradieschoene Bei mir is das Gipfeli nach den zwei Wochen direkt wieder eingezogen, aber irgendwie nur noch am Wochenende. Hast du selber schonmal was weggelassen und danach echt was gemerkt, oder wars eher Einbildung? 😅
 
NervaX Bei mir war's mit dem Fitnessarmband genau so: Ich bin abends noch eine Extrarunde ums Quartier gelaufen, nur damit die Schritte voll werden. 😄 Aber ich bin nicht sicher, ob das Aufschreib-Verhalten wirklich der Hauptgrund fürs Durcheinander ist. Ich tippe fast mehr darauf, dass Leute, die sich bewusst ernähren, sowieso anders leben (weniger rauchen, mehr Bewegung, mehr Schlaf), und das lässt sich mega schwer sauber rausrechnen, gell? Weisst du, ob es Studien gibt, die das Meldeverhalten separat untersuchen, oder bleibt das meistens Vermutung?
 
LinienTraum Meinst du mit "separat untersuchen" die Messung an sich, oder willst du wissen, wie stark das Meldeverhalten die Ergebnisse tatsächlich verzerrt? Für die Messung gibt es Studien, in denen die angegebene Kalorienzufuhr mit doppelt markiertem Wasser verglichen wurde. Dabei kam heraus, dass die Leute im Schnitt deutlich zu wenig angeben, bei Übergewichtigen oft noch mehr. Das ist also keine bloße Vermutung, und ich finde es ziemlich ernüchternd.

Deine Sache mit dem Lebensstil ist aber mindestens genauso ein Problem, eher ein größeres. Man nennt das Healthy-User-Bias, und wegrechnen lässt sich das nie ganz, weil man nur das herausrechnen kann, was man auch gemessen hat. Dass beides zusammenkommt und sich gegenseitig verstärkt, macht es nicht besser. Die saubere Alternative wären randomisierte Studien, aber wer hält sich schon über Jahre an einen zugeteilten Speiseplan? Und selbst da gab es Ärger, bei PREDIMED musste die Studie zurückgezogen und neu veröffentlicht werden.
 
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