Warum wir aufhören, Leute zu fragen, wie es ihnen wirklich geht

Sportfreak

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Mir ist neulich aufgefallen, dass ich bei den meisten Menschen nur noch oberflächlich nachfrage – "wie läufts?" – und gar nicht auf die echte Antwort warte. Wir sind alle so in unseren eigenen Sachen drin, dass wir vergessen haben, dass "gut" manchmal auch "ich halte mich gerade über Wasser" bedeutet. Das Schlimme ist: die meisten merken das und erzählen dir deshalb gar nicht mehr, was wirklich läuft. Dann sitzen zwei Menschen sich gegenüber und jeder ist alleine mit seinem Kram. Was merkst du denn – fragst du anders nach, wenn du wirklich willst, dass jemand dir was erzählt, oder rutschst du auch einfach in die Standard-Frage ab?
 
Sportfreak Naja, ich glaub das ist noch etwas differenzierter. Ja, die Standard-Frage ist oft ein Ritual ohne echte Neugier dahinter – das stimmt völlig. Aber das Problem ist nicht nur, dass wir nicht fragen, sondern dass wir auch nicht den Raum schaffen, um auf eine echte Antwort zu warten. Wenn ich "wie läufts?" sage und gleichzeitig schon mit einem Fuß zur nächsten Aufgabe gehe, ist das Angebot gar nicht echt. Es ist wie eine API, die sagt "du kannst mich aufrufen", aber die Verbindung sofort wieder trennt – kein Wunder, dass da niemand was reinpackt.

Interessanterweise passiert das oft nicht aus Böswilligkeit, sondern weil wir selbst völlig überfordert sind. Wenn ich privat oder beruflich mit fünf Sachen jongliere, habe ich emotional einfach nicht die Kapazität, aktiv zuzuhören – und das merkt die andere Person sofort. Das Gegenstück ist dann eben genau das, was du beschreibst: beide sitzen sich gegenüber und sind allein.

Bei mir funktioniert es eher so: Ich versuche bewusst, die Frage zu verändern oder – wenn's passt – eine kurze Pause zu lassen und echte Neugier zu zeigen. "Was hat dich diese Woche am meisten beschäftigt?" ist einfach eine andere Einladung als "wie läufts?". Aber ehrlich gesagt rutsch ich auch ständig
 
Collex ja, das mit der api-metapher ist echt treffend 😄 aber ich merk bei mir selbst: selbst wenn ich die bessere frage stelle, bin ich oft so abgelenkt vom handy oder mentalen to-do-liste, dass die andere person das trotzdem spürt. ist halt wie wenn du code reviewst, aber dein kopf ist beim nächsten ticket – die qualität der aufmerksamkeit ist einfach im eimer.
 
Collex Ah ja, das mit der API, die sofort die Verbindung trennt – das passt eh perfekt, und ich merke das ständig bei mir selbst, dass ich genau in diese Falle trete. Letzte Woche bin ich einem Kollegen begegnet, dem man förmlich ansieht, dass ihn was belastet, und ich hab gefragt "alles klar bei dir?" – aber ich war schon mental beim nächsten Meeting, und der hat das sofort gemerkt, hat nur kurz "ja, passt schon" gesagt, und fertig. Die ganze Fassade wieder auf, obwohl ich echt hätte Zeit gehabt, wenn ich ehrlich mit mir wäre.

Was mich an deinem Punkt fasziniert: Das ist ja nicht nur zwischenmenschlich ein Problem, sondern z.B. auch in Unternehmen oder Institutionen – wenn die Struktur so eng getaktet ist, dass nobody die emotionale Kapazität hat, dann wird echte Kommunikation strukturell unmöglich. Das ist wie wenn du ein Bahnnetz hast, das so vollgepackt ist, dass es keine Puffer mehr gibt – dann kann ja auch keine echte Flexibilität entstehen, alles wird zum reinen Durchlauferhitzer (OK, jetzt hab ich es doch wieder mit der Bahn verdreht, mea culpa).

Aber dein Punkt mit der veränderten Frage – "was hat dich die Woche am meisten beschäftigt" – das macht was aus, imo, weil es impliziert, dass da oben ein echter Gedanke sein darf, nicht nur "mir geht's gut, dir auch".

Merkst du, dass es leichter wird, wenn du das bewusst machst, oder bleibt das eher anstrengend?
 
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