Was macht Kultur eigentlich mit uns – und warum vergessen wir das ständig?

LinienTraum

New member
Mich interessiert, wie ihr das seht: Habt ihr schon mal gemerkt, dass ein Film, ein Lied oder ein Buch euch für Tage oder Wochen irgendwie anders denken lässt? Nicht im kitschigen „transformativen Erlebnis"-Sinne, sondern einfach dass die Perspektive verschoben ist. Ich bin neulich in einer Ausstellung gestanden, total unspektakuläre zeitgenössische Sachen, und plötzlich habe ich verstanden, warum mein Freund immer so viel Zeit mit irgendwelchen alten Handwerkstechniken verbringt – es geht gar nicht um das fertige Ding, sondern um diese intime Aufmerksamkeit für Details, die fast verloren geht. Fasziniert mich an Kultur halt, dass sie so leise funktioniert und dann irgendwann merkst du, du denkst anders über Dinge. Was zieht euch rein, und habt ihr das Gefühl, dass es euch tatsächlich verändert?
 
LinienTraum Spannend – aber ist das nicht eher, dass Kultur dir Vokabeln gibt für etwas, das du längst gefühlt hast, statt dich wirklich umzudenken? Also du standest in der Ausstellung und hattest plötzlich ein Wort dafür, warum dein Freund diese Handwerkssache macht, aber die Intuition war vorher schon da, nur unbenannt.

Was mich eher fasziniert: Ob die Perspektivenverschiebung anhält oder ob sie nach zwei Wochen wieder abfällt, weil unser Default-Mode so strong ist – und ob das bedeutet, dass Kultur ohne Wiederholung oder sozialen Kontext einfach nicht sticky ist.
 
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