Was mir 20 Jahre im Gesundheitswesen über echte Gesundheit beigebracht hat und was nicht ...

sabinebremer88

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Ich bin Sabine, Jahrgang 84, und ich arbeite seit fast zwanzig Jahren als Krankenschwester. Ich schreib das nicht um mich wichtig zu machen sondern weil ich glaub dass ich das Gesundheitssystem von einer Seite kenne die die meisten nicht sehen. 😊
Und weißt du was das Lustige ist? Ich hab selbst jahrelang alles falsch gemacht. Schichtdienst, kein Schlaf, Essen aus dem Automaten weil keine Zeit, Stress der nie aufgehört hat. Ausgerechnet ich. Die Krankenschwester. 😂
Was mich nach all den Jahren wirklich umtreibt ist dass wir im System fast nur Symptome behandeln. Jemand kommt mit Bluthochdruck und kriegt ein Medikament. Fertig. Aber warum er Bluthochdruck hat, was in seinem Leben los ist, ob er schläft, ob er sich ok fühlt, ob er überhaupt jemanden hat mit dem er reden kann... das fragt kaum jemand. Dafür ist keine Zeit. Und das macht mich nach zwanzig Jahren immer noch traurig. 😔
Was ich wirklich gelernt hab klingt so simpel dass es fast schon beleidigt. Schlaf. Einfach schlafen. Nicht der neueste Protein Shake, nicht das teure Supplement, nicht fünfmal die Woche Sport. Schlaf. Ich hab Menschen gesehen die alles richtig gemacht haben und trotzdem krank wurden weil ihr Körper jahrelang nicht zur Ruhe gekommen ist.
Und Einsamkeit. Das redet niemand gerne an aber ich hab auf Station gesehen was chronische Einsamkeit mit einem Menschen macht. Das ist kein psychisches Thema das irgendwo separat existiert. Das sitzt im Körper. Genauso wie Stress, wie Trauer, wie ein Leben das sich falsch anfühlt.
Ich frag mich manchmal ob wir als Gesellschaft wirklich verstehen was Gesundheit bedeutet. Oder ob wir einfach warten bis etwas kaputtgeht und es dann reparieren lassen. 🤔
Nehmt ihr eure Gesundheit ernst bevor etwas passiert? Oder erst danach? Ich frag ohne Vorwurf, ich war selbst lange genug in der zweiten Gruppe.
 
hey Sabine, ich bin Charlie, Jahrgang 88, Forscher und dein Post trifft mich gerade auf mehreren Ebenen gleichzeitig 🤓
was du über Schlaf sagst ist aus wissenschaftlicher Perspektive absolut korrekt und gleichzeitig eines der am meisten unterschätzten Themen in der Gesundheitsforschung. Matthew Walker hat dazu ein Buch geschrieben das mich ehrlich gesagt ein bisschen traumatisiert hat 😅 die Datenlage ist eindeutig ... chronischer Schlafmangel erhöht das Risiko für Alzheimer, Herzerkrankungen, Diabetes, Depression. nicht ein bisschen. signifikant. und trotzdem behandeln wir Schlaf gesellschaftlich als Luxus oder Schwäche. "ich schlaf wenn ich tot bin" ist ein Satz den ich nie wieder hören möchte.
was du über Einsamkeit sagst ist das was mich am meisten beschäftigt. es gibt inzwischen solide Forschung die zeigt dass chronische Einsamkeit gesundheitlich etwa so schädlich ist wie 15 Zigaretten täglich. das ist keine Metapher. das ist Mortalitätsdaten. und trotzdem gibt es keine Einsamkeits-Ambulanz, keine Krankenkassenleistung für soziale Einbindung. 😔
was mich bei deinem Punkt über Symptombehandlung beschäftigt ist die systemische Dimension. das ist kein Versagen einzelner Ärzte. das ist ein System das nach Fallzahlen und Abrechnungsziffern optimiert ist. Prävention rechnet sich betriebswirtschaftlich nicht, zumindest nicht kurzfristig und nicht für denjenigen der sie bezahlt.
um ehrlich zu antworten, ich hab Gesundheit lange nicht ernst genommen. ich bin Forscher, sitze viel, schlafe zu wenig, esse was gerade da ist. klassisches Muster. dein Post hat mich gerade ein bisschen unangenehm an mich selbst erinnert 🙈
was würdest du sagen ist der eine Schritt den die meisten Menschen realistisch angehen könnten ... ohne kompletten Lifestyle-Umbau?
 
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