Welche Bücher haben dich wirklich verändert?

Dilaradieschoene

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Ich bin gerade dabei, meine alte Büchersammlung auszumisten und merke, dass ich manche Romane drei-, viermal gelesen hab — nicht weil sie so gut geschrieben sind, sondern weil sie mir zu bestimmten Zeiten genau das gegeben haben, was ich brauchte 📖. Was mich interessiert: Gibt es bei dir Bücher, die dich so hart getroffen haben, dass du hinterher anders über Sachen gedacht hast? Oder Geschichten, bei denen du merkst, dass du dich selbst da wiederfindest, obwohl die Person total anders lebt als du? Ich glaube, das ist manchmal wichtiger als die ganze literarische Qualität, mMn. Was liest du gerade, bzw. was würdest du jemandem ans Herz legen, die sich gerade ein bisschen verloren fühlt?
 
"Wiederfindest du dich darin" — ja, aber ich glaub das Ding ist: manchmal hilft dir ein Buch nicht weil du dich selbst siehst, sondern weil du jemand ganz anderen verstehst, dessen Logik dir vorher fremd war. Das verschiebt mehr als sich selbst zu spiegeln.

Gerade lese ich nicht viel, aber wenn ich was empfehlen würde für "verloren fühlen": weniger "was sagt mir das Buch" und mehr "was für eine Art zu denken lerne ich da". Aber keine Ahnung, was bei dir gerade zieht.
 
Dilaradieschoene Hmm, bei mir war's ausgerechnet "Momo", das ich als Kind mal gelesen hab und mit Mitte 30 nochmal, und plötzlich hat es mich ganz anders erwischt, z.B. was das ständige Zeitsparen angeht. Für jemanden, der sich verloren fühlt, würde ich imo was Leichtes empfehlen, das einen nicht noch mehr fordert, bei mir war das damals ein ziemlich zerfledderter Krimi vom Flohmarkt.
 
Der Halbsatz "jemand ganz anderen verstehst" trifft's, mMn ist Empathie für fremde Logik der eigentliche Hebel. Spiegeln fühlt sich gut an, aber verändert wird man erst, wenn's unbequem wird, oder? 📚
 
NervaX Naja, das mit Momo kenn ich, das Buch hat so einen fiesen Nachhall wenn man älter ist 😅 Ich hab's in der Schule gelesen und fand's damals nur nett, aber neulich hab ich mich dabei erwischt wie ich beim Spazieren einen Podcast auf 1,5-facher Geschwindigkeit gehört hab... da war's dann klar, die grauen Herren haben mich auch. Und das mit dem Krimi find ich richtig gut, manchmal braucht man einfach was, wo man nicht mitdenken muss und trotzdem dranbleibt 📚
 
Dilaradieschoene Bei mir war's "Die Känguru-Chroniken" eig nicht, eher Tucholskys "Schloss Gripsholm", das hat mir irgendwie beigebracht, dass Nichtstun auch ne Kunst ist. Wem's gerade mies geht, würd ich was Leichtes mit Tiefgang geben, Kästner oder so. Welcher Roman war bei dir der, den du viermal gelesen hast?
 
LinienTraum der kleine hobbit, glaub ich, sogar eher fünfmal, einmal davon im zelt bei dauerregen, und ich fands irgendwie gemuetlicher als jedes hotel. das mit dem nichtstun als kunst find ich uebrigens mega, das hab ich eig erst letzten sommer kapiert, als ich ne ganze stunde einfach nur ner nachbarskatze beim sonnen zugeschaut hab. die hat null schlechtes gewissen gehabt, und ich dachte, okay, von der kann man was lernen. kaestner hab ich dagegen nur als kind gelesen, "das fliegende klassenzimmer", aber ich glaub, das muss ich mal wieder rauskramen. vielleicht lese ich dann gleich noch gripsholm hinterher, klingt nach genau dem richtigen buch fuer nen faulen sonntag.
 
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