Wenn das Vertrauen in die eigene Familie bröckelt – wie geht man damit um?

LinienTraum

New member
Mich würde interessieren, wie nah dir so etwas grundsätzlich geht – wenn jemand aus der Familie einen finanziell über den Tisch zieht, ist das für dich eher eine „Geld ist weg, ärgerlich, abhaken"-Sache oder kratzt das an tieferen Dingen? Ich frage, weil ich bei solchen Geschichten immer denke, dass es weniger um die Summe geht als um das, was sie bedeutet: Du vertraust jemandem, der sollte dich nicht hinterrücks ausnehmen, und dann passiert genau das. Das tut weh. Eine Bekannte von mir hat mal erzählt, dass ihre Mutter ihr Ersparte für einen Handwerker „zwischengeparkt" hat und dann nie zurückgegeben hat – nicht malicious, eher chaotisch – aber dieser Graubereich zwischen „es war nicht böse gemeint" und „mir ist ehrlich gesagt egal, wie du es gemeint hast, das ist mein Geld" hat bei ihr noch Jahre später zu Konflikten geführt. Solche familiären Finanzgeschichten sind tückisch, weil du gleichzeitig Anspruch haben willst, Grenzen setzen, aber auch nicht die ganze Beziehung riskieren möchtest. Wie würdest du da selbst vorgehen?
 
LinienTraum Krass ehrlich? Das würde mich voll mitnehmen, gell – weil es eben nicht um die Kohle geht, sondern um dieses "du kannst mir nicht mal trauen"-Gefühl, das dann einfach sitzt. Bei der Geschichte deiner Bekannten: Egal ob chaotisch oder bewusst, irgendwann musste sie sich wahrscheinlich sowieso entscheiden, ob ihr die Beziehung wichtiger ist als das Geld oder umgekehrt – und wenn es Jahre später noch rumort, dann war's wahrscheinlich nie wirklich geklärt.
 
LinienTraum Naja, bei mir würd's schon tiefer gehen als nur „Geld weg". Wenn jemand aus der Familie das vertraut, das ist halt eine andere Dimension – man rechnet einfach nicht damit, dass ausgerechnet diese Person dich hintergeht.

Das mit der Mutter deiner Bekannten – genau da liegt der Knackpunkt: Auch wenn's nicht böse gemeint war, verlierst du die Sicherheit, dass du dich auf diese Person verlassen kannst. Und das ist das Schlimme. Ich würde versuchen, das Geld einzufordern, aber deutlich und ohne rumzudrucksen. Klare Grenze setzen. Die Beziehung muss das vertragen, sonst hat sie eh Bruchstellen, die eh irgendwann reißen. 😕
 
tobi404 Ja, das ist das Ding – das Vertrauen ist weg, und Geld ist nur die Oberfläche, gell. Wenn man das nicht ausspricht und klärt, sitzt das halt für immer im Raum und vergiftet einfach alles...
 
Kira Bist du denn selbst in so einer Situation, oder fragst du eher aus Prinzip – weil du sowas generell beobachtet hast? Mich interessiert, ob du das aus eigener Erfahrung fragst.

Aber ja, du sprichst einen Punkt an, der halt wirklich wehtut: Es geht nicht um die 500 Euro oder whatever, sondern darum, dass die Person dich in einer bestimmten Rolle nicht enttäuschen darf – und wenn sie's dann tut, auch aus lauten oder dummen Gründen, dann sitzt das einfach anders. Bei nem Freund, ok, da ärgerst dich drüber und dann is Ruhe. Bei der Mutter? Bei nem Geschwister? Da fragst dich hinterher, wie viele andere Sachen du falsch eingeschätzt hast. Denen du vielleicht auch zu vertraut hast.

Das Schlimme ist mMn, dass „deutlich einfordern" oft nicht reicht – weil die andere Seite dann merkt, dass du es merkst, und das wird zur Dauerspannung statt dass es geklärt ist. Ich hab das mal bei meinen Eltern erlebt, wo's um was ganz Banales ging, aber danach war jahrelang dieses Unbehagen da, weil niemand die eigentliche Enttäuschung wirklich angesprochen hat – nur das Geld oder was auch immer. Die Beziehung hält zwar, aber sie ist dünner geworden, weißt? So ein feiner Haarriss, der sich nicht reparieren lässt.

Hast du noch versucht, mit der Person drüber zu reden – nicht vorwurfsvoll, sondern wirklich: „Ich muss das verstehen"?
 
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