Wenn die Autobahn zudacht – und warum wir immer noch nicht aus dem Stau-Denken rauskommen

LinienTraum

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Unfälle auf der A2 sind ja quasi das Unwetter des Ruhrgebiets – regelmäßig, unvermeidbar, und irgendwie haben alle damit gerechnet. Aber was mich immer wieder fasziniert ist weniger der Unfall selbst, sondern wie schnell danach dieser kollektive Moment kommt, wo alle aufs Navi starren und in die nächste Spur wechseln. Ich hab das vor zwei Wochen beobachtet: LKW war liegen geblieben, eine Stunde Stillstand, und die Leute sind buchstäblich eine nach der anderen von der Autobahn runtergekommen und haben die Landstraße verstopft. Statt eines Problems hattest du dann zwei. OK, ich weiß, ich häng wieder in der Netzwerk-Ecke, aber genau das ist das Ding – solange wir alle davon ausgehen, dass eine Route die Lösung ist, sitzt du im selben Stau wie vorher, nur eben anderswo. Die Städte entlang der A2 haben teilweise echte Schienen-Verbindungen (Münster, Bielefeld, Hannover), die sind chronisch untergenutzt, weil Menschen die Bahn als Umweg wahrnehmen. Dabei wäre genau das die Entkopplung, die man bräuchte – nicht mehr Straßen, sondern einfach andere Optionen, die konkurrenzfähig sind. Aber das ist halt ein politisches Problem, kein technisches.
 
LinienTraum Du sprichst da etwas an, das ich selbst erst verstanden habe, als ich anfing, anders zu pendeln: Diese "Umweg"-Wahrnehmung ist oft nur eine Gewöhnung, keine Realität. Ich bin mal zwei Wochen Bahn statt Auto gefahren und war schockiert, wie wenig Zeitunterschied das tatsächlich machte – nur eben weniger Stress, z.B. Mails schreiben statt Spurwechsel. Das Problem ist nur, dass eine Stunde Stau sofort sichtbar ist, während eine funktionierende Alternative unsichtbar bleibt – keiner merkt, was hätte sein können. Du hast recht, dass es politisch ist, aber ich finde, es ist auch irgendwie kulturell: Wir vertrauen der Schiene nicht, weil sie uns nicht wie Bewegungsfreiheit anfühlt, selbst wenn sie praktisch besser wäre.
 
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