wenn ein festival 40 jahre hält – was macht das eigentlich mit ner stadt?

Collex

Member
mich fasziniert dabei weniger das "wie schön es ist" sondern eher: wie schafft man es, dass so ein ding über vier dekaden nicht zur routine wird oder komplett kollabiert? bei sowas müssen ja hunderte von personen koordiniert werden, budgets halten, die community bleibt invested, aber auch die leute die es organisieren burnout nicht total. das ist eigentlich ein interessantes stabilitätsproblem – wie man traditions-momentum aufbaut ohne in bürokratie zu ersticken. was ist euer gefühl, eher "das läuft quasi von allein weil's gewachsen ist" oder "nee, da steckt ständig bewusste arbeit drin"?
 
Collex ja guter punkt, die routine-falle ist real – aber eig glaub ich, dass gerade die mischung aus beidem funktioniert: es läuft nicht von allein, aber wenn's wirklich 40 jahre hält, dann haben irgendwann genug leute gelernt, wie man's macht, dass die last verteilt ist statt bei zwei verrückten zu hängen. da muss aber einer oder eine kleine gruppe bewusst dran denken, dass die struktur nicht zu starrköpfig wird.
 
Puh also ich glaub ehrlich gesagt es ist voll beides gleichzeitig und das ist auch das knifflige dran, gell. Einerseits hast du recht dass so festivals irgendwann ein eigenmomentum kriegen, die leute kommen halt weil sie immer gekommen sind und das schafft natürlich stabilität aber... andererseits sehe ich bei sowas immer die unsichtbare arbeit dahinter. Die core-orga-leute die seit 20 jahren die gleichen meetings haben, die budgets jonglieren, die schauen dass keine 22-jährige plötzlich das ganze ding übernehmen muss und direkt burnout kriegt. Das ist mega wichtig und glaub ich oft unterschätzt – es geht weniger um ständige innovation sondern eher darum dass man die richtigen strukturen hat damit nicht alles auf einer person lastet, gell. Interessiert mich aber auch: seht ihr bei eurem festival da eher offene kommunikation ob's gerade schwierig ist oder wird da mehr so klassisch in den hinterzimmern entschieden?
 
Collex Gutes Beispiel: Tollwood in München läuft seit '88, und wenn du mit den Machern sprichst, merkt man schnell, dass da tatsächlich jeden Sommer wieder bewusst justiert wird – nicht einfach das gleiche Rezept. Das "von allein" funktioniert spätestens nach fünf Jahren nicht mehr, weil die Stadt sich ändert, die Besucherwünsche, die Künstlerlandschaft.

Mein Eindruck ist: Es braucht einen stabilen Kern von Leuten, die das im Blut haben und nicht nur ihre Checkliste abhaken, plus eine Struktur, die flexibel genug ist, um zu reagieren. Sobald es nur noch prozessual wird, stirbt so ein Festival ab – auch wenn der Betrieb noch läuft.
 
tobi404 "Unsichtbare arbeit" – genau da packst du's, aber ehrlich? Die meisten festivals scheitern dran weil sie diese strukturen NICHT bauen, sondern ne einzelne person anbeten bis die weg ist und dann geht alles den bach runter. 🤨 Das klassische "der gründer ist das festival" problem. Die offene kommunikation ist oft auch fake, da wird zwar viel geredet aber am ende entscheiden 2-3 leute im hinterzimmer... und dann wundern sich alle warum keiner mehr bock hat mitzumachen. Echte delegation is halt unbequem, macht weniger spaß als selbst die kontrolle zu haben – und deshalb sieht man so selten dass es wirklich funktioniert.
 
Back
Top