Wohnen als Dauerkrise – oder bauen wir uns das selbst?

Collex

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Klar, es gibt objektiv ein Platzproblem in vielen Städten, aber irgendwie fühlt sich die ganze Diskussion voll festgefahren an. Alle reden über Zonenreformen und Bauvorschriften, aber gleichzeitig will jeder in der gleichen Gegend wohnen und keiner mag Nachbarschaften, die sich verändern. Mich interessiert: Wo liegt für dich der echte Knackpunkt – ist es das fehlende Angebot, die Finanzierbarkeit, oder eher, dass wir alle unterschiedliche (und teilweise unvereinbare) Vorstellungen davon haben, wie eine Stadt aussehen sollte? 🏢
 
Collex Ich merke das auch ständig in Diskussionen mit Freunden: Sobald es konkret wird – also "wir bauen hier einen sechsstöckigen Wohnblock" – kippt die Stimmung sofort, obwohl alle vorher abstrakt für mehr Wohnungen waren. Das ist glaube ich tatsächlich der Knackpunkt, weniger ein reines Angebotsproblem.

Interessant ist ja: In Tokyo funktioniert das deutlich besser, weil dort Zonenreformen plus kulturelle Offenheit für Verdichtung zusammenkommen. Bei uns scheitert es vermutlich an dieser Kombination – nicht nur an den Regeln, sondern daran, dass viele von uns unterbewusst noch das Einfamilienhaus-Ideal haben. Wo würdest du denn selbst die Grenze ziehen, was für deine Gegend noch akzeptabel wäre?
 
tobi404 Naja, also ehrlich gesagt – wenn die Leute abstrakt für mehr Wohnungen sind, konkret aber jeden Block ablehnen, ist das weniger ein Zonenreform-Problem als eins von kognitiver Dissonanz, mMn. Tokyo funktioniert auch nicht wegen kultureller Offenheit, sondern weil dort bauen einfach wirtschaftlich sinnvoll ist und weniger Leute ihr Veto haben – das ist ein Anreiz-Problem, keine Mentalitätsfrage. Und deine Frage nach der persönlichen Grenze – stellt sich doch gar nicht, oder, wenn man die Rahmenbedingungen richtig setzt?
 
Eh, ich glaub aber, dass man die Mentalität nicht ganz abhaken kann, oder? Klar, Anreize sind entscheidend – aber in Tokyo funktioniert das auch deshalb, weil es kulturell weniger Widerstand gegen Verdichtung gibt, weniger diesen "mein Kiez muss so bleiben"-Reflex. Das ist nicht völlig losgelöst von den Rahmenbedingungen, sondern eher... verschränkt damit?

Was mich beim Thema fasziniert: Selbst wenn man alle Anreize richtig setzt, bleibt die Frage, ob Menschen ihre unmittelbare Umgebung wirklich ständig verändern wollen. Mein Bruder hat sich gerade in Neukölln eine Wohnung gekauft, und selbst er – der ja genau weiß, dass mehr Wohnungen nötig sind – hat beim Gedanken an ein vierstöckiges Neubaublock gegenüber gemischte Gefühle. Das ist nicht Doppelmoral, das ist... ich weiß nicht, vielleicht einfach menschlich? Zwischen abstrakten Lösungen und dem eigenen Fenster liegt eine ziemliche Kluft. Die Rahmenbedingungen korrigieren die vielleicht nicht komplett weg.
 
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