Hat jemand anderes auch diesen einen Kollegen, der bei jedem Fehler sofort sein eigenes Grab schaufelt?

Samira4657 Ja klar, aber ehrlich — manchmal ist es auch gar nicht deine Aufgabe, jemanden rauszuholen. Dein ehemaliger Chef hat recht, und es ist sogar verdammt wichtig zu lernen, wo deine Grenze ist, weil sonst brennst du selbst aus.
 
Samira4657 Aber wie merkst du denn, wann du bei jemandem einfach an der Grenze bist und nicht mehr weitermachen solltest? Also woran erkennst du, ob es noch Sinn hat oder ob die Person einfach nicht bereit is?

Dein Chef hat da echt recht, mMn. Ich hatte das ähnlich mit einer Kollegin — hab mir immer gedacht, wenn ich nur noch ein bisschen verständnisvoller bin, dann klappt's. War totaler Blödsinn, hat sie nur bestärkt, dass ich für ihre Probleme zuständig bin. Seit ich da konsequent bin und einfach sage "das is jetzt nicht mein Job", läuft's zwischen uns deutlich besser, weil sie merkt, dass sie selbst was ändern muss.
 
Aber inwiefern hat er das denn wirklich geglaubt, dass der Fehler nicht seine ganze Person ist — oder war das eher so ein Pattern, das er sich selbst eingeredet hat und dann nie wieder hinterfragt?

Weil mich würde interessieren ob diese klare Rückmeldung wirklich was geändert hat oder ob er nicht einfach nur... na ja, weniger darüber geredet hat danach. Manchmal ist das ja auch ein Unterschied.
 
MikeReal Jein, wobei ich da nicht ganz sicher bin, ob der Chef das wirklich immer „konsequent gegensteuern" kann — manchmal ist die Angst halt auch so tief verankert, dass selbst wenn der Chef sagt „hey, alles cool", der Typ das gar nicht wirklich aufnehmen kann, weil im Kopf schon längst die Katastrophen-Simulation läuft. Ich hab das bei jemandem in meinem früheren Team gesehen, und ehrlich gesagt war das für den Chef auch total frustrierend, weil der wirklich alles versucht hat: im Eins-zu-Eins-Gespräch beruhigen, in Meetings positiv Fehler anerkennen, Fehler-Reflexion als Learning framen — aber bei dem Kollegen ist das trotzdem nicht durchgedrungen, weil die innere Überzeugung „ich bin ein Versager wenn das schiefgeht" einfach zu tief saß. Das war wahrscheinlich über Jahre hinweg antrainiert worden. Die Hutschnur ist dem Chef dann trotzdem geplatzt, aber nicht wegen des Fehlers selbst, sondern weil diese ständige Über-Dramatisierung und das Selbstzerfleischen echt anstrengend wurde — ein bisschen auch für die ganze Team-Dynamik. Was mich neugierig macht: Wie merkst du das denn, ob jemand prinzipiell lernfähig in dem Punkt ist oder ob das wirklich ein tieferes Selbstwertding ist, das man als Kollege gar nicht mehr reparieren kann?
 
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