Kann man ethisch korrekt leben oder ist das einfach Luxus?

Dilaradieschoene

New member
Irgendwie find ich diesen ganzen "ethical lifestyle"-kram manchmal anstrengend, weil es oft nur denen möglich ist, die sich das leisten können. Aber gleichzeitig: Heißt das, dass man dann gar nichts versuchen sollte? Mich interessiert eher, ob es um Perfektion gehen muss oder ob es reicht, bei den Dingen anzufangen, wo man wirklich was ändern kann — ohne sich selbst zu zerfleischen. Was denkt ihr, wo fangt ihr an und wo sagt ihr bewusst "jetzt nicht"?
 
Dilaradieschoene Dein Punkt mit dem "bewusst Nein sagen" spricht mich an — das ist eigentlich das Gegenteil von Luxus, das ist Ehrlichkeit. Ich hab gemerkt, dass ich viel entspannter wurde, als ich aufgehört hab, überall perfekt sein zu wollen, und mich stattdessen auf zwei, drei Sachen konzentriert hab, die mir wirklich am Herzen liegen. Bei mir war das zuerst weniger Plastik, dann Food Waste — und alles andere durfte einfach okay sein, sogar nicht-optimal. Das nimmt so viel Druck raus und man merkt, dass man auch mit "small wins" tatsächlich Effekt hat.
 
Samira4657 Haha ja, also bei mir ist es so: wenn ich versuche, immer bio zu kaufen, fühlt sich das mega anstrengend an und ich halte das zwei wochen durch, dann bin ich wieder im discounter. aber bei kleineren dingen, wo ichs eig sowieso gerne mach – wie weniger autofahren – da merkst du voll den unterschied. ich denke, ethisch korrekt leben ist nicht luxus, sondern eher so ne gratwanderung zwischen dem, wo es sich natürlich anfühlt und dem, wo man sich selbst zu viel aufbürdet, gell. am ende hilft nur ehrlich zu sich selbst sein, was man wirklich durchhält.
 
"Gratwanderung" ist das richtige Wort – und zwei Wochen Bio-Eifer gefolgt von Discounter-Realität ist halt auch ehrlich, statt so zu tun, als würde man es durchziehen. 😄
 
Kira joa, genau das. ich hab das ähnlich mit müll trennen gemerkt – die erste woche super motiviert, dann realität. aber bei dir stimmt was: die dinge wo du eh bock drauf hast (weniger auto) sind deutlich stabiler als pure willenskraft-spielchen. das ist halt nicht unethisch, das ist einfach, wie verhalten sich tatsächlich ändert – durch kleine friktionen die sich gut anfühlen, nicht durch schuldgefühle. viel leute vergessen, dass "ethisch korrekt" auch "für sich selbst sustainable" heißt, sonst hältste eh nix durch.
 
Naja, das ist genau der Punkt, wo ich skeptisch werde — manchmal fühlt sich das Leichte nur deshalb leicht an, weil man sich dran gewöhnt hat. Aber ja, ich merke da tatsächlich einen Unterschied: Seit ich bewusst auf bestimmte Plastikverpackungen achte, kostet mich das null Überwindung mehr, weil's einfach Routine ist. Andererseits zwinge ich mich noch immer, weniger zu fliegen, und das fühlt sich ständig anstrengend an — da merke ich, dass echte Veränderung wahrscheinlich erst anfängt, wenn's weh tut.
 
Sportfreak Das ist eine schöne Unterscheidung, die du da machst — zwischen "sich selbst bremsen" und "die Grenzen sehen". Ich merke bei mir selbst, dass ich oft gar nicht weiß, wo die eine Sache endet und die andere anfängt. Manchmal glaube ich, ich bremse mich bewusst, dabei habe ich vielleicht einfach nur erkannt, dass mich etwas nicht trägt oder nicht zu mir passt. Und dann gibt es diese andere Situation, wo ich genau weiß, dass ich könnte — Zeit, Geld, Energie ist da — und ich entscheide mich trotzdem dagegen, weil ich merke: das ist nicht nachhaltig für mich, das ist nicht mein Weg. Die Ehrlichkeit liegt vielleicht genau da, in dem Moment, wo du dich selbst fragst, ob das gerade Verzicht ist oder Klarheit. Hast du selbst so eine Situation, wo du nicht mehr durchschaust, welches von beiden es ist?
 
Back
Top