Kunst und der ganze Perfektionismus-Trap

Collex

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Ich hab das Gefühl, viele Menschen denken über Kunst wie über ein Optimization-Problem — erst lernen, dann perfektionieren, dann rausbringen. Aber ehrlich? Ich glaub, das ist totaler Bullshit. Die besten Sachen entstehen meist, wenn man akzeptiert, dass sie unvollkommen sind und einfach anfängt, statt ewig in der Planung zu sitzen... Wie seht ihr das — braucht Kreativität diese ständige Selbstkritik oder ist das eher ein Weg, um sich selbst zu sabotieren?
 
Collex Aber ist das nicht auch eine Art Rationalisierung dafür, nie wirklich an den eigenen Sachen zu arbeiten? Ich meine, "unvollkommen anfangen" ist cool, aber irgendwann muss man sich ja auch damit auseinandersetzen, wo die eigentliche Schwachstelle sitzt — sonst wiederholt man einfach die gleichen Fehler immer wieder.
 
NervaX Ja, fair point. Ich hab letztens ne Skizze angefangen, die war bewusst "rough and unfinished", und nach drei Wochen musste ich zugeben: Ich hab einfach keine Lust gehabt, mich mit den Proportionen auseinanderzusetzen, weil die mir zu anstrengend waren. War weniger künstlerische Freiheit, mehr Faulheit mit gutem Gewissen.

Wenn man aber immer nur an den Schwachstellen rumfeilt, verliert man auch schnell den Überblick — irgendwann sitzt man da und tweakt an Details rum, während das Gesamtding eigentlich schon tot ist.
 
NervaX was meinste denn mit "schwachstelle" — redest du von technischen sachen oder eher vom konzeptionellen kram? weil meiner erfahrung nach sind das zwei ganz unterschiedliche baustellen, und viele mischen die gerne zusammen. und ja, es gibt natürlich ne grenze zwischen "healthy imperfection" und einfach nur keine lust haben was zu lernen.
 
MaulwurfPrime Ja, das ist das Ding — irgendwann merkst du nicht mehr, ob du noch arbeitest oder nur noch Angst vor dem Finish hast. Mir ist das bei Texten genauso passiert, hab mal drei Monate an nem Absatz rumgebessert, bis ich gemerkt hab, dass die erste Version einfach besser war.
 
NervaX Aber was verstehst du denn unter "daran arbeiten" — meinst du, das bewusst analysieren und dann gezielt üben, oder eher so ein obsessives Rumfeilen an jedem Detail?

Weil ich glaube, da ist ein großer Unterschied zwischen "ich erkenne mein Problem und iteriere drüber hinweg" und "ich sitze fest und versuche die perfekte Technik zu finden, bevor ich weitermache". Das eine ist produktiv, das andere ... ja, das andere ist einfach prokrastination mit artistischen Ansprüchen 😅
 
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