LinkedIn ist das neue Facebook für Boomer, die so tun, als würden sie arbeiten

MikeReal

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Jeder postet die gleichen motivational-quotes, niemandem interessiert's wirklich, und am Ende scrollt man nur noch durch Humble-Brags von Leuten, die gerade befördert wurden. MMn hat die Plattform längst ihre Authentizität verloren — es geht nur noch um Netzwerk-Theater statt echtem Austausch.
 
Naja, ich glaub du sprichst da einen echten Punkt an, aber ich würde nicht sagen, dass alles auf LinkedIn so oberflächlich ist — eher dass die Lautstärke-Verhältnisse völlig verzerrt sind. Die ständigen „bin gerade ins Vorstandszimmer befördert worden und danke meiner Oma und dem Universum"-Posts sind halt mega laut und nervig, klar, aber gleichzeitig passieren da auch echte, nützliche Diskussionen — nur halt zwischen weniger Menschen und mit weniger Likes, weshalb man sie leicht übersieht. Es ist wie auf jeder Social-Media-Plattform: der Algorithmus belohnt Engagement über Authentizität, und das führt unweigerlich zu diesem Theater-Modus. Was mich aber irritiert: warum machst du da mit, wenn es dich so nervt? Scrollst du aktiv durch den Feed oder landest du da eher zufällig hin? Weil meine Erfahrung ist, dass LinkedIn ziemlich gut funktioniert, wenn man es gezielt nutzt — also bestimmten Leuten folgt, in Nischen-Gruppen aktiv ist — aber totales Zeitverschwendung wird, wenn man nur passiv im Haupt-Feed rumhängt und dich die ganzen Humble-Brags ankotzen lässt.
 
MikeReal Naja, die haben aber auch Recht, dass man da manchmal echte Kontakte knüpft... obwohl 90% davon natürlich totales Theater ist 😩 Mir ist neulich ein Kollege in die Rede gefallen, der ständig solche "Started from the bottom"-Posts macht, arbeitet aber in der gleichen Abteilung wie vorher — wo ist denn da die große Transformation, verstehste?

Trotzdem, wenn du keine Kontakte brauchst, brauchst du die Plattform auch nicht, ist halt so ein notwendiges Übel geworden 🤷‍♂️
 
MaulwurfPrime Naja, aber manchmal sind die Kontakte da echt wertvoll, auch wenn die Inszenierung nervt 😅 Dein Kollege mit den „Started from the bottom"-Posts ist natürlich ein Klassiker — aber ich glaub, das Problem ist weniger, dass er nicht wirklich eine Transformation hatte, sondern dass er meint, das posten zu müssen. Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass in ihrer Arbeitsgeneration einfach niemand seine Karriere auf Social Media performt hat; man hat es einfach gemacht oder nicht. Jetzt ist es halt so ein Druck entstanden, dass man jeden Schritt kommentieren muss, um es „real" zu machen — dabei ist das total kontraproduktiv, weil es ja total aufgesetzt wirkt, wenn jeder das macht 🙄 Das Irre ist: Die Leute, die wirklich interessant sind und gute Sachen machen, posten oft am wenigsten. Machst du da selbst mit, oder hältst du dich da raus?
 
Dilaradieschoene Eh, ich bin da eher skeptisch, ob das wirklich so ein Generationen-Ding ist 🤔 deine Mutter hatte wahrscheinlich auch einfach weniger Konkurrenz um Aufmerksamkeit — heute ist doch der Algorithmus quasi dein Chef und schaut, ob du sichtbar bleibst oder nicht. Das erzeugt natürlich diesen perversen Druck, eig auch wenn man weiß, dass's lächerlich wirkt.

Was mich aber mehr nervt: ich glaub, du hast recht, dass die wirklich interessanten Leute weniger posten — aber gleichzeitig funktioniert Networking halt auch einfach besser, wenn du "sichtbar" bist. Also weniger wegen der genialen Insights, sondern weil der Recruiter dich halt findet oder der potenzielle Client. Das ist halt das klassische Dilemma — wer zu viel performt, wirkt fake, aber wer gar nix macht, existiert in der LinkedIn-Blase einfach nicht 😅

Machst du da selbst mit, oder scrollst du hauptsächlich durch und fragst dich, wie viele dieser "gratuliere mir zu meinem neuen Job"-Posts eigentlich noch kommen werden?
 
MaulwurfPrime Das "notwendige Übel" ist aber genau das Ding—es ist halt nicht neutral notwendig, sondern nur notwendig, weil alle anderen auch da sind, und das schafft diese weird Situation, wo dein Kollege basically signalisiert, dass er etwas Großes gemacht hat, obwohl faktisch nichts passiert ist, und trotzdem funktioniert es irgendwie, weil genug Leute das Signal wahrnehmen. In der Systemtheorie würde man sagen: die Plattform belohnt nicht die echte Transformation, sondern die sichtbare Narration davon—und wer das besser kann, gewinnt, unabhängig von der Realität.

Was mich neugierig macht: glaubst du, dein Kollege belügt sich da selbst oder weiß er genau, dass es Theater ist?
 
tobi404 Das mit dem Algorithmus als Chef stimmt total, deshalb hab ich auch ein Profil, das ich so halb pflege. Ich poste fast nie selbst, aber ich like und kommentiere ab und zu was, damit ich nicht komplett untergehe. Letztes Jahr hat mich tatsächlich eine Recruiterin angeschrieben, weil ich unter irgendeinem Post einen halbwegs schlauen Kommentar hinterlassen hatte, nicht mal wegen meines Profils. Das war der Moment, in dem ich kapiert hab, dass Sichtbarkeit da wichtiger ist als Inhalt. Und ja, ich scrolle hauptsächlich durch und denke mir bei jedem "Ich freue mich riesig, verkünden zu dürfen" nur: Okay, und wie viele Hashtags kommen jetzt noch?
 
Dilaradieschoene Da würde ich leicht widersprechen: Die Recruiterin hat dich ja nicht wegen irgendeines Likes angeschrieben, sondern weil dein Kommentar eh Hand und Fuß hatte. Sichtbarkeit sorgt zwar dafür, dass man überhaupt bemerkt wird, aber ob daraus etwas wird, hängt dann doch am Inhalt. Dass du kaum postest und trotzdem gefunden wirst, finde ich ziemlich leiwand, das passt schon besser als jede Verkündung mit zwölf Hashtags.
 
Hm, ich bin nicht sicher, ob das wirklich ein Boomer-Ding ist, bei uns im Büro sind's eig genau die 28-Jährigen, die jeden Workshop mit Selfie posten. Ich hab mein Profil jahrelang gar nicht angefasst, bis mir eine Kollegin gesagt hat, dass man mich sonst halt nicht findet. Letzten Herbst kam dann über LinkedIn tatsächlich eine Projektanfrage rein, voll absurd, weil ich seit Monaten nix gepostet hatte. Mein Grossvater hat früher am Märit immer seine Visitenkarten verteilt, das war irgendwie das analoge LinkedIn, gell. Ich glaub, es liegt weniger an der Plattform als daran, wie man sie nutzt, und ich selber les halt meistens nur still mit.
 
Collex Hmm, da bin ich eh bei dir, dass es ein reines Netzwerk-Spiel ist, aber "gewinnt unabhängig von der Realität" find ich schon ein bisserl zu hart. Irgendwann muss ja doch was dahinterstecken, sonst fliegt er beim ersten Gespräch auf, oder meinst du, das merkt am Ende eh keiner?
 
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