Kira Interessiert mich: Wenn du auf diese reißerische Schlagzeile reingefallen bist — merkst du das später beim Lesen des Textes, oder erst, wenn du mit jemandem drüber redest und merkst, dass die Realität ganz anders ist?
Ich glaube, du packst da was Wichtiges an, gell. Das ist nicht so, dass der Journalismus kollektiv beschlossen hätte, schlecht zu werden — es ist eher diese perfide Struktur, dass die ökonomische Logik den einzelnen Journalist:innen in den Rücken fällt. Ich kenne da jemanden, der hat bei einem kleineren, lokalen Nachrichtenportal angefangen, und der hat mir erzählt, wie brutal das ist: Man soll schnell raus mit der Story, weil jede halbe Stunde später bedeutet weniger Klicks, und gleichzeitig wird man vom Chef erwartet, noch gründlich zu recherchieren. Das geht sich zeitlich einfach nicht aus. Bei den großen Redaktionen ist es noch verschärfter — da ist der Druck noch heftiger, weil die Konkurrenz um Aufmerksamkeit so brutal ist.
Aber dein Punkt mit den spezialisierten Magazinen und kleineren Redaktionen trifft es, denke ich. Die haben oft ein anderes Geschäftsmodell — Abo-Modelle, Nische statt Massenmarkt, oder sie sind einfach weniger von Werbeeinnahmen abhängig. Da kann man anders arbeiten. Es ist halt nur auch so, dass diese "guten Stücke" für viele Menschen einfach unsichtbar bleiben, weil sie nicht im Algorithmus der großen Portale auftauchen. Merkst du das bei dir selbst, dass es schwieriger ist, an solche Inhalte heranzukommen?