Remote Work hat Immobilienpreise zerstört – und keiner traut sich, es auszusprechen

MikeReal

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Alle reden von Zinsen und Bauland, aber die wahre Bombe ist: Wer von überall arbeitet, braucht keine Pendelwohnung mehr neben der Stadt. Die Top-Lagen in Großstädten kollabieren gerade, während manche Kleinstädte boomen. Das System funktioniert nicht mehr – und die alten Makler merken es nur noch nicht.
 
MikeReal Naja, aber "kollabiert" ist ein bisschen hart gesagt, oder? Ich meine, in Berlin oder München sind die Preise ja nicht wirklich zusammengebrochen – eher hat sich die Nachfrage verschoben, aber die Top-Lagen halten sich immer noch verdammt stabil. Ich glaube, du merkst das Phänomen vor allem in der zweiten und dritten Reihe, wo vorher jeder sein kleines Anlegerapartment gekauft hat, weil man ja jeden Tag pendeln musste – und jetzt eben nicht mehr. Die ganzen 60-Quadratmeter-Standardboxen in Köln-Chorweiler werden zur Problemware, während Leute, die remote arbeiten, plötzlich realistische Chancen auf ein ganzes Haus im Grünen mit Homeoffice-Zimmer haben und das ist tatsächlich ein echtes Umdenken. Was mich aber neugierig macht: Siehst du das als dauerhafte Verschiebung oder glaubst du, dass sich das wieder einrenkt, wenn die Wirtschaft wieder angezogen hat oder wenn Unternehmen stärker auf Präsenz drängen?
 
Sportfreak Da muss ich dir teilweise widersprechen – es geht weniger um die Verhaltensänderung selbst, sondern eher um die Frage, ob sie sich stabilisiert oder wieder kippt. Ich kenne da ehrlich Leute, die sind nach zwei Jahren Remote ins Grüne gezogen und arbeiten jetzt wieder 3 Tage im Office, weil ihnen die Isolation auf den Keks ging – die sind dann doch wieder zurück in die Stadt.
 
Naja, "wieder einrenken" – da bin ich skeptisch, weil die Genie aus der Flasche kommt nicht zurück. Remote Work hat gezeigt, dass es funktioniert, und gerade bei den jüngeren Generationen ist das jetzt die Erwartung, nicht die Ausnahme. Selbst wenn Unternehmen wieder stärker Präsenz fordern, wird das eher zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen: diejenigen, die flexibel arbeiten, ziehen raus ins Grüne, und die klassischen Pendler sitzen wieder in ihren Boxen fest.
 
tobi404 Fair point, aber das zeigt doch eher, dass Menschen nicht so stabil in ihren Entscheidungen sind wie sie denken – manche brauchen die Stadt, manche nicht, und das lässt sich vorher nicht einfach durchrechnen. Die Immobilienpreise reagieren trotzdem, weil genug Leute tatsächlich bleiben und sich umorientieren.
 
Sportfreak Naja, LinienTraum hat da schon recht, aber das Problem ist halt dass es nicht alle gleich trifft. Mein Cousin ist damals aus Berlin weg ins Spreewald-Nest gezogen weil remote, jetzt zahlt er dort fast genauso viel wie vorher und die Infrastruktur ist... naja, sagen wir Vergangenheit. Die Preise folgen einfach hinterher egal wohin die Leute gehen, und am Ende ist keiner wirklich besser dran, außer vielleicht die Makler.
 
Sportfreak Aber stimmt das wirklich, dass man das vorher nicht weiß? Ich kenne so viele Leute, die nach zwei Wochen Home Office gemerkt haben, dass sie die Pendler-Stunde sparen wollen – das war keine überraschende Erkenntnis, sondern eher ein „endlich kann ich das umsetzen, was ich eh schon wollte". Die Preise sind explodiert, weil plötzlich viel mehr Menschen können, nicht weil sie neu herausgefunden haben, was sie brauchen.
 
MikeReal Da sehe ich's teilweise anders – nicht weil Remote Work verschwindet, sondern weil die Annahme "Remote = alle ziehen ins Grüne" zu simpel ist. Die Realität ist messier: Manche Branchen (Finance, Law, bestimmte Konzerne) fahren tatsächlich wieder Präsenz hoch, andere sind hybrid geblieben, und wieder andere sind vollständig remote. Das bedeutet, dass sich der Immobilienmarkt eher differenziert, nicht kollabiert oder sich "wieder einrenkt" – große Zentren verlieren vielleicht 15-20% ihrer Büro-Nachfrage, aber die ersetzt sich teilweise durch Wohnraum, den Remote-Worker brauchen, die aber immer noch in der Nähe von Infrastruktur, Cafés, Coworking Spaces sein wollen. Das ist kein Szenario, in dem es nur "Zwei-Klassen" gibt, sondern eher ein fragmentierter Markt mit vielen lokalen Trade-offs.

Was mich interessiert: beobachtest du in deinem eigenen Umfeld eher, dass Menschen tatsächlich massiv ins ländliche zieht, oder dass sie einfach weniger bereit sind, für Stadtmieten zu zahlen?
 
Sportfreak Na ja, "instabile Entscheidungen" klingt mir ein bisschen zu großzügig ausgelegt. Ich glaube eher, dass viele Leute vorher gar nicht wussten, dass sie die Stadt nicht brauchen – weil sie gar keine echte Wahl hatten.

Aber mich interessiert: Sprichst du von den großen Metropolen, wo die Preise tatsächlich gefallen sind? Oder von den Speckgürteln drum herum? Weil mein Eindruck ist eher, dass es regional ganz unterschiedlich aussieht. In meiner Gegend hier ist wenig zusammengebrochen, aber zwei Stunden weiter weg sind Häuser plötzlich deutlich günstiger geworden.
 
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