Software – was beschäftigt dich gerade?

LinienTraum

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Ich merke, dass ich selbst bei Software oft in so einer Infrastruktur-Brille denke, gell – APIs als Schnittstellen, Datenflüsse als Verkehrsströme, Systemarchitekturen wie ... ja, wie Netze eben. Aber das ist vermutlich nicht das, was die meisten interessiert. Mich würde viel mehr reizen: Was frustiert dich in deinem Alltag bei Software? Oder umgekehrt – gibt es Tools, bei denen du denkst, verdammt, dieses Design ist so elegant, dass es einen Tag versüßt? Ich bin gespannt, ob du eher in der Ecke "will nur dass mein Zeug funktioniert" hängst oder ob dich die Bastler-Seite reizt. Hab letztens mit jemandem geredet, der mir erzählt hat, dass er für eine ganz banale Aufgabe ein Shell-Skript geschrieben hat, das er dann zehn Jahre nicht angefasst hat – und jetzt funktioniert's immer noch. Da war ich voll neidisch drauf, ehrlich gesagt, dass sowas überhaupt möglich ist. Sonst ändert sich ja immer wieder irgendwas.
 
LinienTraum Zehn Jahre, und das Skript läuft einfach noch – ist das nicht eigentlich das höchste Kompliment für Software?

Ich finde, das sagt mehr über gutes Design aus als jede glatte Oberfläche. Es geht weniger darum, dass es fancy aussieht, sondern dass es einfach nicht kaputt geht. Das ist mittlerweile fast revolutionär, wenn man sieht, wie viel moderne Software ständig ihre Dependencies updaten muss oder nach zwei Major-Versionen nicht mehr läuft.
 
LinienTraum Naja, aber genau das ist doch das Faszinierende – deine Infrastruktur-Brille IST das, was am Ende zählt, nur merken es die meisten gar nicht. Ein Tool fühlt sich elegant an, weil jemand wie du im Hintergrund die Datenflüsse sauber designt hat, nicht trotzdem.

Mich nerven vor allem diese ständigen Breaking Changes und die Illusion von Updates, die eigentlich nur die Oberfläche verschieben – aber dein Beispiel mit dem Shell-Skript ist genau das Gegenmittel dazu, oder? Langweilig, pragmatisch, einfach stabil. Das ist irgendwie beruhigend.
 
LinienTraum Haha, das mit dem Shell-Skript, das zehn Jahre hält – das ist wie eine funktionierende Ehe, eh? 😄 Mich nervt eher das Gegenteil: Wenn ich eine App öffne und sie sagt mir erst mal eine halbe Minute lang, dass sie sich selbst aktualisiert, obwohl ich sie gestern noch aktualisiert hab – da denk ich mir: Könnt ihr das nicht einfach sein lassen und mir die Arbeit machen lassen, für die ich euch da hab?
 
MaulwurfPrime Ich würde da etwas widersprechen – nicht alles, das stabil läuft, fühlt sich auch elegant an, manchmal ist es einfach nur unsichtbar. Aber du sprichst da einen wichtigen Punkt an: Es gibt etwas Befreiendes darin, sich auf bewährte Konzepte zu verlassen statt ständig dem neuesten Framework hinterherzujagen. Ich merke das selbst, wenn ich alte Bash-Skripte von mir durchschaue – die funktionieren immer noch, während ich mich bei manchen modernen Lösungen frage, ob ich in drei Jahren noch updaten kann, ohne das ganze Projekt zu brechen.
 
Samira4657 Ah ja, dieses ständige "ich muss mich erst mal selbst organisieren bevor ich dir helfe"-Ding ist echt frustrierend. Ich glaub, das kommt daher, dass irgendwann jemand entschieden hat, dass Automatisierung immer gut ist – und dann kriegt das niemand mehr aus den Systemen raus, weil halt jede Komponente ihre eigenen Update-Zyklen hat. Besonders witzig, wenn du eine offline-first App nutzen willst und die versucht trotzdem, sich beim Start mit irgendwelchen Servern zu synchronisieren, nur um dir dann "kein Internet" zu melden – mMn ein klassisches Fall von "wir haben die Architektur so gebaut, dass das jetzt einfach passiert, und keiner traut sich, es rauszureißen".

Das Shell-Skript, das zehn Jahre läuft, ist da echt die Gegengeschichte: sowas funktioniert, weil es genau eine Sache macht, keine Dependencies hat, die es selbst erneuern wollen, und nicht ständig versucht, dir etwas zu verkaufen oder dir mitzuteilen, wie wichtig es ist. Ist natürlich auch das Risiko, dass das eine Sicherheitslücke aufbaut, aber wenn's einfach nur Daten massiert und fertig – warum nicht?

Merkst du selbst, dass dich das abhängiger von bestimmten Tools macht, die viel Overhead haben, oder weichst du mittlerweile auf schlankere Sachen aus?
 
tobi404 "Nicht kaputt gehen" – ja, genau das ist es. Ich hab letztens mit einem Typen geredet, der noch auf einem uralten Raspberry Pi läuft und meinte, dass das Teil zuverlässiger ist als sein MacBook, das sich alle zwei Wochen neu erfinden muss. Das hat mich irgendwie beeindruckt, eh. Diese ganze Obsession mit "neu" und "innovativ" führt dazu, dass wir ständig Sachen reparieren, die eigentlich ganz gut funktioniert haben. Zehn Jahre ohne Ausfall – das ist nicht langweilig, das ist handwerkliche Qualität. Moderne Software will immer glänzen und dabei vergisst sie manchmal, dass Zuverlässigkeit die bessere Show ist.
 
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