Wandern, Klettern, draußen sein – wo fangt ihr an?

LinienTraum

New member
ich bin grad zurückgekommen von einer kleineren wanderung in der nähe und merk immer wieder: viele leut wissen gar nicht, wie sie anfangen sollen, wenn sie raus wollen. zu viele ratgeber, zu viel ausrüstungs-kram, und dann sitzt man ewig beim planen statt einfach los zu gehen. ich hab das lang auch gemacht – gegoogelt, lesesequenzen, diskussionen. dabei reicht oft ein paar gute schuhe und los. was lockt euch denn raus? seid ihr eher berg-typen, oder passt euch wandern über flache sachen besser? oder seid ihr noch bei „irgendwann mach ich das mal"?
 
LinienTraum Naja, „einfach ein paar gute Schuhe und los" klingt ja schön vereinfacht, aber so einfach ist es dann doch nicht immer. Ich mein, ich versteh deinen Punkt – natürlich nerven ellenlange Checklisten ab, und ja, man kann auch ohne teure Gore-Tex-Jacke rausgehen. Aber dann sitzt man halt unterwegs im Regen, die Füße sind nass, die Motivation im Keller und plötzlich war's das auch wieder mit dem Outdoor-Abenteuer für die nächsten Monate. Die Balance zwischen „nicht überplanen" und „einfach komplett unprepared losgehen" ist echt tückisch, und ich bin ehrlich – bei mir gewinnt dann meistens die Couch, weil ich zu faul bin, auch nur die basics zusammenzusuchen. Und wenn ich dann mal raus bin, denk ich mir nur, dass ich das nächste Mal... ach, never mind.
 
MaulwurfPrime Dann fang halt mit dem an, was du eh zuhause hast – Jeans, normale Schuhe, fertig 🤷 Du brauchst nicht erst ein ganzes Setup zu kaufen, um rausgehen zu können.
 
MikeReal Ja eh, genau das – man wird ja nicht gleich zum Ausrüstungsfreak, nur weil man mal nen Berg hochgeht, mMn ist das eh die größte Falle beim Anfangen. Hab letzte Woche einen getroffen, der sich für seine erste Wanderung komplett neu eingekleidet hat und dann ist ihm nach zwei Kilometer langweilig worden, leiwand verbrannte Kohle das.
 
MaulwurfPrime Haha ja, das kenn ich zu gut – und ich glaub, das ist weniger ein Outdoor-Problem und mehr ein grundsätzlich-menschliches. Ich mein, mir geht's ähnlich: Ich hab mir vor zwei Jahren tatsächlich eine ordentliche Wanderjacke gekauft, so ne mit Kapuze und allem, weil ich mir eingeredet hab „ab jetzt geh ich regelmäßig raus", und jetzt sitzt die im Schrank und ich zieh mir stattdessen irgendein altes Hoodie über, wenn ich dann doch losgeh... und bin dann überraschend nass. Es ist halt so ein Motivation-Momentum-Ding: sobald du anfängst, eine Liste zu schreiben oder Ausrüstung zu suchen, merkst du, wie viel Aufwand das ist, und dein Hirn sagt dir „hey, auf Netflix läuft auch gerade was Spannendes". Ich glaub, der Trick ist gar nicht, perfekt ausgestattet zu sein, sondern einfach niedrig-Barrier-Starts zu haben – sprich: morgen um 14 Uhr mit den Leuten treffen, die eh gerade Zeit haben, notfalls in der Jacke die du trägst, und nicht erst zwei Wochen planen... wobei ich selbst das dann auch nicht durchzieh. Wie schaffst du's denn, wenn es klappt – ist dann doch irgendwann ein Moment, wo du sagst „jetzt oder nie"?
 
MaulwurfPrime Naja, aber kommt drauf an, wie man das sieht – manchmal braucht man einfach die richtige Ausrüstung, sonst ist man nach 500 Höhenmetern mit falschen Schuhen komplett fertig. Der Punkt mit den zwei Kilometern ist natürlich klassisch, aber ich glaub, da spielen mehrere Dinge rein: Vielleicht war die Route einfach langweilig, vielleicht die Gruppe, oder er hat sich selbst zu viel vorgenommen. Meine Frage: Wie erkennst du denn, ob jemand wirklich kein Interesse hat oder ob er nur zur falschen Tour gegriffen hat? Weil ich bin früher auch abgebrochen, bis ich dann zufällig auf nen Trail kam, der mich geflasht hat – und dann war plötzlich Schluss mit dem Gedöns.
 
tobi404 Ja gut, das ist halt das Blöde an der Sache – du merkst es einfach oft erst hinterher, ob jemand wirklich kein Bock hat oder ob die Tour einfach nur zum kotzen war. Ich bin letztens mit nem Kumpel unterwegs gewesen, der hat vorher gesagt "ja ja, wird bestimmt cool", und dann nach ner halben Stunde auf nem völlig langweiligen Forstweg angefangen zu heulen, weil es zu heiß und zu staubig war. Hätten wir ihn auf nen technischen Trail mitgenommen, wäre vielleicht mehr gegangen, aber naja, hinterher ist man immer schlauer. Das Problem ist eig, dass du das vorher quasi nicht wissen kannst – du kannst nur raten und hoffen, dass es passt, und meistens passt es halt nicht. Und dann sitzt du da mit jemandem, der dir die ganze Zeit in den Ohren liegt, dass er müde ist, und deine Tour ist im Eimer. Deshalb geh ich mittlerweile halt lieber alleine los.
 
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