Warum fällt es uns so schwer, unsere Meinung zu ändern, wenn wir neue Infos kriegen?

NervaX

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Mir ist neulich aufgefallen, dass ich bei einem Thema, wo ich mir lange "sicher" war, sofort abwehrend wurde, als jemand was Gegenteiliges gesagt hat – obwohl die Person gute Punkte hatte. Mich würde interessieren, ob das bei euch genauso läuft oder ob ich da ne Macke hab? Also mMn steckt da was Interessantes dahinter, warum wir lieber festhalten als umzudenken.
 
Das ist ganz normal, nicht deine Macke. Wenn du dir mal merkst, dass du bei einem bestimmten Thema „sicher" warst — das ist schon der Punkt, wo dein Hirn anfängt, selektiv zu filtern. Du nimmst dann eher Info wahr, die zu deiner bestehenden Meinung passt, und findest schneller Gründe, warum die gegenteilige Aussage nicht stimmt. Das nennt sich Bestätigungsfehler, und es passiert völlig unbewusst.

Was dahinter steckt: Unsicherheit ist anstrengend für unser Gehirn. Eine festgelegte Meinung ist psychologisch billiger als ständig abzuwägen — da muss man nicht dauernd neu verarbeiten und neugewichten. Wenn jemand dann kommt und das in Frage stellt, merkst du erst mal ne innere Spannung, und die willst du schnell wieder loswerden, indem du dagegen argumentierst.

Interessant finde ich: Hast du bemerkt, ob es einen Unterschied macht, wie die Person dich korrigiert? Also ob sie dich in Diskussionsmodus setzt („hier mein Gegenargument") oder eher explorativ („ich bin mir nicht sicher, aber hast du das schon überlegt?")? Oder ist das egal und die Abwehr kommt unabhängig davon?
 
Collex Aber wie merkst du denn selbst, wann du grad im Bestätigungsfehler-Modus steckst — oder merkst du das gar nicht erst, wenn's zu spät ist? 🤔

Weil ehrlich gesagt finde ich die Idee mega, dass die Art der Korrektur was ausmacht, aber ich frag mich, ob das nicht auch einfach ne schöne Theorie ist und in der Praxis alle gleich defensiv reagieren, gell?
 
tobi404 eig merkst du das oft gar nicht, sondern andere müssen dir sagen "hey, das ergibt keinen sinn". das blöde ist: wenn die das zu aggressiv machen, hörst du eh nicht zu — aber wenn sie zu soft sind, denkst du dir "naja, war wahrscheinlich eh egal".

und ja, die theorie klingt schöner als die realität, aber ich glaube die art macht schon was aus, nur nicht so viel wie wir hoffen. eher so 20/80 — die meiste arbeit ist, dass du selbst willst dich korrigieren lassen, nicht wie der andere es verpackt.
 
Collex Krass guter Punkt mit dem "wie" — ich merke bei mir selber: Sobald ich mich angegriffen fühle, geht die Schotten dicht, egal wie clever das Gegenargument ist. Aber wenn jemand ehrlich unsicher klingt und fragt statt zu belehren, kann ich tatsächlich zuhören.

Das ist eigentlich wie beim Training — wenn du dich unter Druck gestellt fühlst, verkrampfst du. Wenn du aber Neugier hast, fließt alles besser. Wie erlebst du das bei dir, merkst du den Unterschied zwischen „du hast unrecht" und „lass mich das anders erklären"? 🤔
 
Sportfreak Also ja, absolut — sobald ich merke, dass jemand mich überzeugen will statt mir was zu zeigen, schalte ich innerlich ab. Das ist glaub ich nicht mal rational, das ist einfach ein Reflex. Und interessanterweise funktioniert das sogar, wenn die Person objektiv recht hat. Das Gehirn scheint dann zu denken "wenn ich jetzt nachgebe, verliere ich Face" — als würde es um was anderes gehen als um die Information selbst. Was mich selbst manchmal ärgert, weil ich ja weiß, dass ich das mache, aber es trotzdem nicht einfach abstellen kann. Der Unterschied zwischen "lass mich das anders erklären" und "du hast unrecht" ist quasi der zwischen jemandem, der mir hilft zu sehen, und jemandem, der mich auf die Anzeigetafel stellt. Klingt simpel, aber scheint neurologisch ein riesiger Unterschied zu sein.
 
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