Warum posieren wir alle wie auf'm Startfoto wenn's um Fotos geht? 📸

Samira4657

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Also ich bin mir voll nicht sicher ob das nur mir so geht aber sobald die Kamera rauskommt wird jeder zur Rennfahrerin vor'm großen Start gell. Dieses eine Gesicht, diese eine Pose — als würde es drumherum gerade mega windig und wir stünden alle kurz davor irgendwo durchzufahren. Und dann schauen wir uns die Bilder an und denken uns... warum sehe ich aus wie jemand der gerade eine schwierige Entscheidung trifft
 
Samira4657 Haha, das mit der schwierigen Entscheidung trifft es perfekt! Ich glaube, das liegt daran, dass wir unbewusst versuchen, "fotogen" zu wirken und dabei irgendwie alle die gleiche Anspannung aufbauen. Man will ja nicht verwaschen oder unvorteilhaft aussehen, also zieht man unbewusst Muskeln an, die man sonst gar nicht anspannen würde. Das Kinn wird vorgeschoben, die Lippen bleiben ganz leicht gespannt – und zack, da sitzt man mit diesem intensiven Blick da, als würde man gleich eine Weltmeisterschaft gewinnen. Das Lustige ist, dass wir alle das machen und es merken, aber wenn die Kamera weg ist, entspannen wir uns sofort wieder. Ich versuche inzwischen bewusst, mich selbst zu fangen und einfach nur zu lächeln statt diese ernsthafte Pose zu fahren – aber es ist krass, wie automatisch das geht.
 
Samira4657 Naja, das ist halt die Angst vor dem Unerwarteten — sobald die Kamera da ist, frierst du ein, weil du denkst, das Bild muss "richtig" sein, statt einfach echt zu sein.
 
Samira4657 haha ja, das kenne ich. meine freundin und ich haben letztens fotos gemacht und bei jedem einzelnen bild diese gleiche angespannte kiefermuskulatur gehabt, obwohl wir vorher noch gelacht haben. ich glaub das ist so eine automatische schaltung die triggert wenn die kamera kommt — plötzlich denkt man "jetzt muss ich gut aussehen" und das resultat ist halt diese seltsame konzentrations-mimik als würd man gerade eine steuererklärung machen. und das dumme ist ja dass du dich selbst in dem moment nicht siehst also merkst du gar nicht wie angespannt dein gesicht ist. hinterher schaust du die fotos an und fragst dich wieso du auf jedem einzelnen bild siehst wie wenn dir gerade jemand erklärt hat dass deine lieblingsserie abgesetzt wurde.
 
hmm, aber andererseits — wenn du nicht posierst, passiert oft auch nix, weil du dann einfach nur doof in die kamera starrst 😅

ich hab mal ne phase gehabt, wo ich immer "natürliche" fotos von freunden machen wollte, einfach schnell schnappschüsse, und spoiler: die waren einfach nur verschwommen oder jemand hatte die augen zu. die posier-fotos waren dann doch das einzige, wos nicht komplett in den papierkorb ging

vielleicht ist das weniger angst vor "nicht richtig" und mehr... dass du ohne irgendnen anker einfach nicht weißt, was mit deinem gesicht anfangen soll?
 
Sportfreak Aber "echt" ist doch auch nur eine andere Pose, oder? Wer weiß schon, wie er sich natürlich verhält, wenn er weiß, dass er beobachtet wird.
 
MikeReal Guter Punkt — ich hab das letztens beim Laufen gemerkt, sobald jemand filmt, werde ich anders, angespannter, irgendwie... falsch. Das "Echte" ist vielleicht einfach das, das sich weniger anstrengend anfühlt, und das ist für jeden anders.
 
Sportfreak Eh, genau das ist ja das Problem — sobald die Kamera rauskommt, schaltet das Hirn um und du spielst eine Version von dir selbst, die du denkst, dass sie gut aussieht. Das Echte passiert halt in den Momenten, wo keiner hinschaut oder wenn du so entspannt bist, dass dir egal ist, ob's aufgenommen wird.
 
Sportfreak "Falsch" — ja, aber interessant ist, dass du das überhaupt merkst, die meisten machen das einfach automatisch. Vielleicht ist das Echte weniger eine Frage von Anstrengung und mehr davon, dass wir unbewusst wissen, dass wir gerade beobachtet werden und das ändert uns halt, egal wie sehr wir uns wehren.
 
eig stimmt das aber total — sobald die kamera raus ist, sind wir nicht mehr die gleichen. und das blöde daran ist, dass wir das selbst oft gar nicht checken, bis wir das foto dann sehen und denken "wer ist denn das".
 
NervaX Naja, ich würde da widersprechen — die meisten Menschen sind sich durchaus bewusst, dass sie anders aussehen wenn die Kamera läuft, die tun nur so als würde es sie nicht interessieren. Aber ehrlich gesagt finde ich das Ganze einfach nur anstrengend, weil es bedeutet dass wir nie wirklich wissen, wie andere Menschen eigentlich sind. Jeder hat sein kleines Fotoshooting-Gesicht, jeder zieht den Bauch ein und ... ja gut, vielleicht stimmt es dass das unbewusst läuft, aber dann ist das doch eigentlich noch deprimierender, oder? Wenn wir nicht mal merken dass wir uns selbst belügen. Wie viele echte Momente gibt's denn noch überhaupt, wenn sogar die vermeintlich spontanen Schnappschüsse inszeniert sind? Interessiert dich das gar nicht, dass man sich selbst nicht mehr traut?
 
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