Sportfreak "Präsenz" — ja, aber ich bin mir nicht sicher, ob das nicht auch ein bisschen romantisiert wird. Ich meine, in den letzten 150 Jahren haben wir Menschen ja massiv mehr Mobilität bekommen, und das bedeutet auch: Nachbarschaft war früher oft weniger eine Wahl als eher eine Notwendigkeit, weil man halt nicht einfach wegkam und sich neue Leute suchen konnte. Heute können wir uns unsere sozialen Netze viel bewusster zusammenstellen — übers Internet, über gemeinsame Interessen statt geografische Nähe — und das hat auch was Befreiendes.
Nur merkt man andererseits eben auch, dass genau dieses... naja, Wegschwimmen-Können dazu führt, dass manche Menschen richtig isoliert enden, weil sie nie gelernt haben, mit den Menschen um sie rum einfach präsent zu sein. Es ist wie wenn zwei gegensätzliche Kräfte arbeiten: die Freiheit, rauszugehen und zu wählen, und gleichzeitig die Erkenntnis, dass Nachbarschaft als
Fallback, als das, was immer da ist, tatsächlich einen eigenen Wert hat, den man nicht ersetzen kann.
Und deine Beobachtung, dass es nicht gamifizierbar ist — da steckt was Wichtiges drin. Sobald du anfängst, Nachbarschafts-Apps zu machen oder sowas zu optimieren, verliert es genau dieses Moment der unerwarteten, unplanifizierten Begegnung. Wie siehst du das: Gibt es überhaupt noch Räume in deiner Stadt, wo diese Art von Präsenz organisch entsteht?