Wie geht ihr mit Einsamkeit um, wenn man sich selbst immer im Weg steht?

LinienTraum

New member
Naja, ich merke das bei mir selbst immer wieder – man hat Leute um sich herum, aber irgendwie schafft man es trotzdem, sich selbst in die Ecke zu stellen. Sei es, weil man zu viel in den eigenen Gedanken hängt, oder weil man sich schwer tut, einfach auf andere zuzugehen, ohne sofort zu überanalysieren, ob das jetzt "zu viel" oder "zu wenig" ist. Ich hatte mal ne Phase, wo ich zu nem Freund nicht hingegangen bin zu nem Treffen, weil ich dachte, ich wär zu weird drauf – und hinterher hab ich mir selbst in den Hintern treten wollen, weil der mir dann geschrieben hat, dass er mich vermisst hat. Was ich merkwürdig finde: man unterschätzt oft, wie viel andere Menschen einfach bereit sind, dich so zu nehmen, wie du bist. Aber im Kopf baut man sich Hürden auf, die gar nicht real sind. Das ist nicht unbedingt Depression oder so, manchmal ist es einfach nur diese komische innere Stimme, die sagt "nee, lass mal". Wie geht's euch damit – habt ihr Tricks, wie ihr aus dieser Spirale rauskommt? Oder seid ihr eher die Sorte, die direkt rausgeht und sich später fragt, ob das ne gute Idee war? 😄
 
Ah ja, diese selbstgebauten Hürden sind voll gemein – mMn oft schlimmer als die echten, gell. Der Clou ist wahrscheinlich, dass dein Freund dich vermisst hat statt dich weird zu finden, aber dein Hirn hatte da ein anderes Drehbuch geschrieben.
 
Samira4657 Ja, genau – und dann merkst du hinterher, dass du dir selbst den größeren Stress gemacht hast als die andere Person dir je hätte machen können 😅 Was hält dich denn davon ab, deinem Hirn da einfach weniger zu glauben, wenn es dir so ein Szenario vordreht?
 
NervaX Is halt schwierig, dem eigenen Kopf weniger zu glauben – das ist ja das Problem, oder? Vielleicht gehts weniger darum, ihn zu ignorieren, sondern eher, ihn anzuschauen und zu fragen: "ok, woher kommt die Angst wirklich?"
 
NervaX Naja, "einfach weniger glauben" ist ja so ein bisschen wie jemandem zu sagen "sei nicht traurig" – klingt logisch, funktioniert aber nicht 😄 Das Blöde ist: dein Hirn ist verdammt überzeugend, wenn es dir Horrorfilme spielt, und rational zu sein hilft dagegen meist weniger als es nervt.

Ich merke das bei mir selbst – wenn ich mir ausmale, dass ich jemanden nerve, hilft mir nicht, drüber nachzudenken, wie statistisch unwahrscheinlich das ist, sondern eher, mit der Angst zu sitzen und sie dann langsam in den Hintergrund zu rücken.
 
NervaX Ich merke das bei mir auch regelmäßig — dieses "Katastrophen-Hirn" lässt sich ehrlich gesagt nicht einfach so abschalten, nur weil man weiß, dass es irrational ist. MMn geht's weniger darum, dem Hirn weniger zu glauben, sondern eher, die Szenarien bewusst zu hinterfragen, wenn sie auftauchen — also so eine Art innerer Faktencheck, bevor man danach handelt. Hilft mir zumindest mehr als zu denken, ich müsse mich einfach selbst überreden.
 
tobi404 Aber wie stellst du diesen "inneren Faktencheck" an, wenn dein Hirn dir im selben Moment schon wieder drei neue Katastrophen vorspielt? Ich meine, das klingt theoretisch plausibel, scheitert bei mir dann aber immer daran, dass die negativen Gedanken schneller sind als mein rationaler Verstand...
 
tobi404 ah ja, das kenn ich mega 😅 ich hab das letzte woche bei mir selbst beobachtet — ich hab mir selbst nicht erlaubt, einen freund anzuschreiben, weil mein hirn mir eingeredet hat, ich würde eh nur stören. dumm nur, dass ich nachher gemerkt hab, dass das kompletter unsinn war. dein punkt mit dem faktencheck statt überreden ist eig genau das — wenn man sich die szenarien einfach mal konkret anschaut statt sie nur zu fühlen, lädt sich die energie irgendwie ab, gell 💭
 
NervaX naja, aber "energie ablade" ist halt eher das nebenprodukt — eig geht's darum, dass du merkst, wie often dein gehirn dir einfach lies erzählt, gell. beim nächsten mal fällt dir dann schneller auf, wenn du wieder in die gleiche falle tappst.
 
Samira4657 Ja genau, "sitz mit der Angst" – ist das so'n Exposure-Therapy-ding oder eher eine Art akzeptieren, dass die da ist und dann trotzdem handeln? Weil bei mir funktioniert das irgendwie anders rum: wenn ich mich zwinge, die rationale Schiene zu fahren ("aber statistisch gesehen..."), fühlt sich das an wie gegen eine Wand reden, aber wenn ich einfach akzeptiere, dass ich gerade paranoid bin und mich trotzdem nicht einigeln, sondern die Nachricht trotzdem schreib – dann klinkt sich das Hirn irgendwann selbst aus. Hatte das mal bei nem Klassenkameraden, dem ich nach Jahren geschrieben hab und dachte "der findet dich bestimmt creepy", und er hat sich gefreut, weil er mich auch vermisst hat ... und in dem Moment ist mir klar geworden, dass mein Gehirn mir ein komplettes Horrorfilm-Skript gebaut hat, das null mit der Realität zu tun hatte. Seitdem versuche ich, diese innere Erzählung weniger ernst zu nehmen, ohne sie zu ignorieren, wenn das Sinn macht. Merkst du, dass deine Angst dann irgendwann leiser wird, wenn du sie einfach durchlebst statt sie wegzudiskutieren?
 
Ja, aber wie merkst du denn hinterher, dass es Unsinn war – weil der Freund dir geantwortet hat, oder weil du dich einfach zwingst weiterzumachen obwohl dein Bauch dir immer noch sagt, dass du störst?
 
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