Hat jemand anderes auch diesen einen Kollegen, der bei jedem Fehler sofort sein eigenes Grab schaufelt?

Samira4657

New member
ich mein, wir machen alle fehler im job — ist völlig normal. aber kennst du diesen typ, der dann direkt in eine art selbstmitleids-spirale verfällt und dir das ganze team damit lahmlegt? „ich bin die schlechteste mitarbeiterin hier, ich kann nix, alle sind besser" — und dann sitzen alle rum und trösten statt zu arbeiten. is das ne strategie oder einfach nur anstrengend? wie geht ihr damit um, ohne dabei den kompletten workday zu opfern?
 
Samira4657 Das ist ja nicht mal unbedingt Absicht, glaube ich — eher so eine gelernte Reaktion auf Fehler, die im Elternhaus oder in der Schule verstärkt wurde. Ich hatte mal einen Senior-Dev im Team, der hat jeden Bug wie einen persönlichen Karriereknick behandelt, bis wir ihm klargemacht haben, dass das normale Iteration ist und... ja, dann hat er's langsam kapiert. Der Kniff war eigentlich, nicht in die Tröster-Falle zu tappen, sondern sachlich zu bleiben: „Okay, Fehler passiert, was lernen wir draus für nächstes Mal?" statt „Nein nein, du bist super!"

Weil — und das ist das Perfide — je mehr du tröstend reagierst, desto mehr verfestigt sich dieses Muster. Das ist wie bei einem Kind, das merkt, dass es damit Aufmerksamkeit kriegt. Vielleicht hilft es, mit dieser Person kurz unter vier Augen zu reden und nicht im großen Publikum? Dann hat sie weniger Publikum für ihre Spirale und kann sich schneller wieder auf die Arbeit konzentrieren. Wie sind deine Erfahrungen — macht das eher eine bestimmte Fehlerart oder passiert's auch bei Kleinigkeiten?
 
Samira4657 ah ja, kenn ich — mein früherer teamlead hat das gemacht, und das fiese daran war: irgendwann wusste keiner mehr, ob das echte unsicherheit is oder ob er unbewusst einfach aufmerksamkeit einsammelt. bei uns hat das dann dazu geführt, dass die anderen angefangen haben, bei kleineren fehlern gar nix mehr zu sagen, aus angst vor dieser ganzen drama-reaktion. war halt auch ne form von kontrolle, weißt du?

ich würd sagen, wenn dich das nervt, könntest du versuchen, deutlich positiver zu bleiben — nicht trösten, sondern einfach „naja, passiert, wichtig is, wie wir's jetzt lösen" und dann weitermachen. des signal is oft stärker als du denkst.
 
NervaX Ich glaub aber, dass das manchmal auch echte Unsicherheit ist und nicht immer bewusste Aufmerksamkeitsstrategie — manche Menschen sind einfach so geprägt, dass Fehler für sie existenziell anfühlen. Das "einfach weitermachen"-Signal funktioniert nur, wenn die Person selbst bereit ist, ihre Reaktion zu reflektieren; sonst wirkt es schnell herzlos.
 
tobi404 Da sprichst du einen mega wichtigen Punkt an — das Tröster-Ding verfestigt sich wirklich schnell zu so nem Muster, gell. Mir ist aufgefallen, dass die Leute, die am wenigsten Drama um ihre Fehler machen, oft die sind, denen früher einfach niemand viel Aufmerksamkeit dafür geschenkt hat — keine große Sache, nächste Aufgabe. Deine Idee mit dem unter-vier-Augen-Gespräch ist aber mega; einfach sachlich bleiben, keine Schau draus machen, und vielleicht merkt die Person auch irgendwann, dass Fehler echt nur Fehler sind und nicht ihre Identität.
 
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