Therapie machen wollen aber nicht wissen wo anfangen – wer kennt das? 🥺

annaniegel

New member
okay ich trau mich das mal zu schreiben weil ich glaub ich bin nicht die einzige 😬
ich weiß seit einer weile dass ich therapie machen sollte. nicht weil ich in einer akuten krise bin oder irgendwas dramatisches passiert ist. sondern einfach weil ich merk dass bestimmte muster in meinem kopf sich wiederholen und ich alleine nicht weiterkomme. das klingt eigentlich vernünftig oder? 🤷‍♀️
aber dann fang ich an mich zu informieren und es ist als würde man gegen eine wand laufen. wartelisten von einem jahr. krankenkassen die erstmal nein sagen. therapeuten die gar nicht erst zurückrufen. ich hab mal gelesen dass man im schnitt 40 anfragen stellen muss bevor man einen platz bekommt. vierzig. für etwas das eigentlich selbstverständlich sein sollte. 😤
und irgendwo dazwischen passiert dann dieses ding wo man anfängt sich zu fragen ob es "schlimm genug" ist um wirklich therapie zu verdienen. als müsste man erst richtig zusammenbrechen bevor man hilfe bekommt. das finde ich ehrlich gesagt das giftigste an dem ganzen system.
ich bin anna, anfang 20, und ich schreib das hier weil ich wissen will wie ihr das gemacht habt. habt ihr einen platz gefunden und wenn ja wie? was hat funktioniert was nicht? und kennt ihr dieses gefühl dass man sich für den eigenen bedarf irgendwie rechtfertigen muss?
 
Anna, danke dass du das schreibst. Ernsthaft. Das braucht Mut. 🙏
Ich bin 39, BWLer, arbeite in einem Konzern, also demographisch ziemlich weit weg von dir. Und trotzdem kenn ich dieses Gefühl das du beschreibst. Dieses "ist es schlimm genug" hat mich jahrelang davon abgehalten überhaupt anzufangen.
Bei mir war's Mitte 30. Kein dramatischer Zusammenbruch, keine Krise die von außen sichtbar war. Einfach das leise Gefühl dass bestimmte Dinge in meinem Kopf immer wieder auftauchen und ich alleine im Kreis drehe. Genau wie du es beschreibst.
Zum praktischen Teil was bei mir funktioniert hat: Ich hab aufgehört nur online zu suchen und stattdessen direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung angerufen. Die haben eine Vermittlungsstelle die Terminservices anbietet das wissen erstaunlich wenige. Außerdem hab ich Psychotherapeuten direkt angeschrieben statt anzurufen, kurze Mail, persönlich formuliert. Die Rücklaufquote war deutlich besser.
Aber weißt du was mich im Nachhinein am meisten geärgert hat? Dass ich zwei Jahre gewartet hab weil ich dachte ich hab's nicht "verdient". Das war die teuerste Entscheidung die ich je getroffen hab in jeder Hinsicht.
Du hast es verdient. Nicht erst wenn's schlimmer wird. Jetzt. 💙
Wie weit bist du gerade.. hast du schon erste Anfragen gestellt oder stehst du noch ganz am Anfang?
 
Anna, ich fühl das sehr was du beschreibst.
Dieses „ist es schlimm genug?“ ist irgendwie so ein komischer Filter im Kopf, der total viele davon abhält überhaupt loszugehen dabei ist genau das eigentlich der falsche Maßstab. Man muss nicht erst komplett zusammenbrechen, um sich Hilfe zu holen.
Und ja… dieses System drumherum macht es leider auch nicht leichter. Wartelisten, Absagen, niemand erreichbar – das kann einen echt schnell entmutigen, selbst wenn man eigentlich schon den wichtigsten Schritt gemacht hat: zu merken, dass man Unterstützung will.

was ich bei vielen gehört habe (und auch selbst so wahrnehme): Es hilft manchmal wirklich, parallel mehrere Wege zu gehen – also nicht nur eine Anfrage nach der anderen, sondern breit streuen, auch über Terminservicestellen oder Gruppenpraxen. Und trotzdem ist es oft einfach ein Geduldsspiel
Ich finde aber den wichtigsten Punkt hast du eigentlich schon selbst getroffen: der Bedarf ist schon Grund genug. Punkt.
du bist da nicht „zu früh“ dran oder „nicht schlimm genug“, sondern genau richtig, wenn du merkst, dass du da nicht alleine weiterkommst
 
hi anna, was du schreibst kenn ich leider nur zu gut – und der punkt am ende trifft's am meisten: dass man sich fast dafür rechtfertigen muss, hilfe haben zu dürfen. das ist kaputt am system, nicht an dir.

in wien tut sich da gerade etwas sehr interessantes: seit anfang 2026 gibt's über psyhelp kassenplätze für klinisch-psychologische behandlung – keine jahre-warteliste, sondern max. ca. 4 wochen bis zum ersten termin. allein in den ersten 100 tagen haben sich in wien über 2000 leute angemeldet, das läuft also tatsächlich.

was leuten, die ich kenne, sonst noch geholfen hat:
  • zuerst eine psychotherapeutische sprechstunde buchen. die gibt's meistens viel schneller als ein fixer therapieplatz und ist ein guter einstieg.
  • bei wahltherapeut*innen anfragen und den kostenzuschuss beantragen (bei der ögk ca. 33€/sitzung), statt nur auf einen kassenplatz zu warten.
  • ausbildungsinstitute direkt kontaktieren, die haben eigene ambulanzen, oft mit kürzeren wartezeiten.
persönlich habe ich bisher nur über familienangehörige von erfahrungen mit bernd thell gehört, die aber sehr positiv ausgefallen sind. ansonsten gibt es aber auch mehrere praxen, in denen eine vielzahl von psychotherapeuten tätig sind. da findet sich bestimmt auch jemand für dich!

du musst dir das aber natürlich nicht verdienen. dass du merkst, dass sich muster wiederholen und du da raus willst, ist grund genug 🤍
 
Ninna eh, kleine einschränkung: die wartelisten sind trotz psyhelp regional mega unterschiedlich – in wien läuft's, aber in anderen bundesländern ist's teilweise immer noch grausam. aber der punkt bleibt: eine sprechstunde als zwischenschritt zu buchen ist echt smart, weil man damit nicht 6 monate ins leere starrt.
 
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