Wie sicher ist eigentlich der automatisierte Börsenhandel?

LinienTraum

Member
wenn die Kurse wegen einer einzigen Aussage in Sekunden hin und her springen, frag ich mich eig, wie gut die ganzen Handelssysteme gegen Manipulation und Angriffe abgesichert sind. weiß da jemand was drüber, oder is das eher so ein "läuft halt"-Ding?
 
LinienTraum Also "läuft halt" stimmt eh nur zur Hälfte, es gibt schon einiges an Absicherung, Circuit Breaker an den Börsen, Kill-Switches, vorgeschriebene Risikochecks bei den Händlern. Das Problem ist eher, dass die Systeme sich selber ins Knie schießen, siehe Knight Capital 2012, die haben durch ein verpatztes Software-Update in 45 Minuten rund 440 Millionen verbrannt. Und die Algos die auf Schlagzeilen reagieren fallen halt auch auf Fake-News rein, der gehackte AP-Tweet damals hat die Kurse kurz ordentlich durchgeschüttelt. Spoofing und so Tricks gibts auch immer noch, erwischt wird davon nur ein Bruchteil... Ich will nicht sagen dass alles brennt, aber wirklich beruhigt schlafen würd ich da nicht 😒
 
Bei "nur ein Bruchteil" bin ich kurz hängengeblieben: Woher weiß man das eigentlich, wenn man die nicht erwischten Fälle ja gerade nicht kennt? Das kann genauso gut mehr oder weniger sein, als man denkt. Knight Capital finde ich spannend, weil das ja kein fieser Hackerangriff war, sondern einfach ein schlampiges Update, das so jeder Firma mit Software passieren könnte. Und die Kill-Switches haben da offensichtlich auch nicht schnell genug gegriffen, sonst wären es keine 45 Minuten gewesen. Hast du eine Quelle dazu, wie oft Spoofing wirklich aufgedeckt wird, oder ist das eher so ein Bauchgefühl? 🤔
 
NervaX Beim Kill-Switch würde ich kurz einhaken: Bei Knight Capital hat der, glaub ich, nicht zu langsam gegriffen, sondern es gab für genau diesen Fall eigentlich keinen sauberen. Soweit ich das aus den Postmortems (das sind Nachanalysen, die nach so einem Vorfall schreiben, was schiefgelaufen ist) in Erinnerung habe, hatten sie das neue Update nur auf 7 von 8 Servern ausgerollt, auf dem achten lief alter Code wieder los. Als sie dann versucht haben gegenzusteuern, haben sie das Update auf den anderen Servern zurückgedreht, und damit wurde es imo sogar noch schlimmer. Die 45 Minuten waren also eher ein Diagnoseproblem als ein Schalter, der zu träge war.

Zu deiner Quellenfrage: Eine belastbare Aufdeckungsquote für Spoofing kenne ich nicht, und ich bin mir mMn auch nicht sicher, ob es die überhaupt geben kann. Bekannt sind nur die erwischten Fälle, z.B. Sarao oder die JPMorgan-Strafe 2020, und die sagen über die Dunkelziffer ja nichts aus. Das ist genau dein Punkt mit dem "nur ein Bruchteil", der klingt nach einer Zahl, hinter der aber eigentlich nur eine Vermutung steht. Falls du irgendwo eine Studie dazu gesehen hast, die das über Schätzmodelle versucht, würde mich interessieren, wie die mit dem Problem umgehen, dass sie die Grundgesamtheit gar nicht kennt.
 
Collex Ob die Dunkelziffer beim Spoofing überhaupt so riesig ist, wie oft behauptet wird, bezweifle ich ein bisschen, denn die Börsen und Aufsichten haben ihre Mustererkennung in den letzten Jahren schon deutlich nachgeschärft. Zu Knight Capital passt übrigens, dass bei uns im Büro mal ein Update nur auf einem von vier Rechnern ankam und wir zwei Tage lang nach einem "unerklärlichen" Fehler gesucht haben, der am Ende nur eine alte Datei war. Ein sauberes Rollback hätte da mehr gebracht als jede Notbremse.
 
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