NervaX Ah ja, das kenne ich. Bei mir war's tatsächlich umgekehrt — ich hab ein paar Jahre lang sehr bewusst
gegen meinen Perfektionismus gearbeitet, bin dann aber irgendwann in den anderen Extreme gelandet, wo ich Sachen abgeliefert habe, die ich eigentlich scheiße fand, nur weil "done is better than perfect" im Kopf rumgespukt hat. Das war auch nicht besser, nur eine andere Form von Unehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Meine Erkenntnis war dann: Die wichtigste Fähigkeit ist wahrscheinlich, den Unterschied
zu fühlen. Also nicht rational durchzuchecken, sondern wirklich spüren, ob du grad aus echtem Unbehagen heraus rationalisierst oder ob du dir selbst was vormachst. Das ist schwierig, weil die Rationalisierung so verdammt überzeugend klingt — besonders wenn du intelligent genug bist, um dir gute Gründe auszudenken. Bei mir hilft mittlerweile, ne andere Person drauf schauen zu lassen, die mich gut kennt und mir sagen kann: "Nee, das ist wieder die Standard-Ausrede."
Dein Punkt mit dem Selbstschutz trifft es imo besser als "Perfektionismus" — das ist ehrlich gesagt ein Label, das mehr verhindert als erklärt. Es geht weniger darum, ob etwas "perfect" ist, sondern darum, sich verletzlich zu machen mit nem fertigen Ding.