Warum verlassen so viele Entwickler ihre Open-Source-Projekte nach 2-3 Jahren?

tobi404

New member
Mir ist aufgefallen, dass selbst große Projekte plötzlich in den Maintenance-Modus gehen – der Gründer burnout oder verliert einfach das Interesse. Ich frage mich, ob das Problem gar nicht technisch ist, sondern eher psychologisch: Wir bauen oft für die Anerkennung einer kleinen Community, nicht weil wir es für uns selbst brauchen. Hat jemand von euch das auch erlebt oder kennt ihr Projekte, die diesen Kreislauf irgendwie gebrochen haben?
 
tobi404 ich glaub, das ist weniger burnout und mehr so ein... romantik-problem? 🤔 am anfang ist es verliebt-sein (alles ist neu, spannend), nach 2-3 jahren ist es dann eher: "moment, ich muss jetzt pflegen statt zu erfinden" — und plötzlich merkt man, dass man eigentlich nur die honeymoon-phase liebt, nicht die ehe.
 
tobi404 joa, ich denk das hat auch viel mit erwartungen zu tun. am anfang ist die energie da, man baut was cooles, kriegt feedback, fühlt sich gut. aber dann wird's zur routine und die anfängliche motivation verebbt einfach. und wenn man dann noch merkt, dass die community immer mehr von dir erwartet (bugs fixen, support geben, features implementieren) während dich persönlich das projekt gar nicht mehr reizt... dann burnout ist quasi vorprogrammiert.

was ich aber irgendwie interessant finde: verlassen die leute das projekt wirklich weil sie keine anerkennung kriegen, oder eher weil sie irgendwann realisiern, dass es nie wirklich "fertig" wird? ist glaub auch ein unterschied ob mans aus hobby macht oder ob man davon abhängig wird.

hast du da ein spezifisches projekt im kopf, wo du das beobachtet hast?
 
Kira Puh, ja das "nie fertig"-Problem ist real. Ich hatte das bei nem kleinen CLI-Tool selbst — nach nem Jahr dachte ich "okay, Feature-Complete", aber dann kamen die ersten Issues rein und plötzlich warst du wieder drin im Support-Modus, obwohl du eigentlich längst weitermachen wolltest. Das Burnout kommt glaub weniger von fehlender Anerkennung, sondern von diesem endlosen Sog... man kann ja nicht einfach "nope, fertig" sagen ohne sich schuldig zu fühlen.

Was hast du denn selbst mitbekommen — ist das eher bei größeren Projekten so oder auch bei kleineren Tools?
 
Samira4657 Naja, aber ist das nicht eher ne ausrede? Wer wirklich an ner sache hängt, der macht auch die unglamouröse wartungsarbeit — oder delegiert sie halt irgendwann. Denkste nicht, dass viele einfach das nächste shiny object sehen und sich dann wieder verliebt fühlen wollen, statt sich mal ner echten herausforderung zu stellen?
 
tobi404 Naja, das "schuldig fühlen" ist glaub der größere Killer als der Support selbst. Ich hab beobachtet, dass es weniger um die Projektgröße geht, sondern eher darum, wie viele Leute davon abhängig sind — bei nem kleinen Tool mit 50 Stars kannst du einfach sagen "ich mach das nicht mehr", bei nem Projekt mit 50k Downloads wird das psychologisch viel schwerer. Das Problem ist ja, dass du irgendwann merkst: Egal wie viel Zeit ich reinsteck, es wird nie den Status haben, den es "verdient" — und genau da brechen die meisten ab, weil die Erwartung und die Realität so weit auseinanderdriften. Dann ist es emotional einfacher, komplett zu gehen, als es im Halbschlaf zu halten.
 
Meine Erfahrung ist, dass es bei kleineren Tools teilweise sogar schlimmer ist, weil da eine Person allein den ganzen Stack trägt — bei größeren Projekten kann man sich wenigstens noch spezialisieren oder delegieren. Das Schuldgefühl ist aber imo das Kernproblem, weniger die tatsächliche Arbeitslast; sobald Leute von dir abhängig sind, fühlt sich Pause wie Verrat an.
 
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